Das Konzentrationslager Struthof

In Kapitel 14/15 des zweiten Teils wird erzählt, dass Michael ins Konzentrationslager Struthof fährt, weil er die Grausamkeit eines solchen Lagers erfahren möchte, um Hannas Verbrechen zu verstehen.

Hier ein paar Informationen zum Konzentrationslager Natzweiler-Struthof:

Das KZ Natzweiler-Struthof - ein kurzer Abriß zu seiner Geschichte

Das KZ Natzweiler bestand von Mai 1941 bis September l944. Es wurde angelegt, um Material aus dem nahegelegenen Steinbruch zu gewinnen. Außerdem wurden Arbeitskommandos eingerichtet, die für den Straßen-, Lager- und Wasserleitungsbau sorgten. Darüber hinaus gab es eine Weberei, die Netze für den Torpedotransport fertigen sowie Reparaturwerkstätten (u.a. auch Junker- Flugzeugmotoren). Rückblickend berichtet Floris Bakels über das KZ Natzweiler wie folgt:
"Natzweiler" (Dep. Bas Rhin) - französisch Natzwiller oder Natzviller - ist ein kleines Dorf und liegt fünfundvierzig Kilometer südwestlich von Straßburg in den Vogesen bei Rothau und Schirmeck. Über Natzweiler erhebt sich der Berggipfel La Roche Louise (ca. 1100 m). Im September 1940 erschien der SS- Standartenführer Blumberg hier auf der Bildfläche. Er hielt den nördlichen Abhang der Louise für geeignet für ein KZ. Damit hatte er recht. Es ist ein einsames Gebiet auf neunhundert Meter Höhe, oft von eisigen Winden heimgesucht und im Winter reichlich mit Schnee versehen. Die Anlage des KLs oder KZs Natzweiler - französisch: Le Struthof - kostete Ströme von Blut, wie auch die Anlage des steilen Weges dorthin... struthoftor.jpg (41995 Byte)
Natzweiler wurde zum NN - Lager erklärt: zum Nacht- und - Nebel - Lager. Das bedeutete, dass die darin befindlichen Häftlinge spurlos verschwinden sollten. Vor der Familie zu Hause wurde der Aufenthaltsort geheimgehalten. Jeder briefliche Kontakt war untersagt und nach Lage der Dinge auch unmöglich.
Das Lager war in übereinander liegenden Terrassen angelegt; auf jeder Terrasse stand an beiden Seiten eine große Baracke (Block), zwischen den Baracken lag der Appellplatz. Es gab fast ebenso viele Appellplätze wie Terrassen. Die Terrassen waren durch kurze, steile Granittreppen verbunden; auch diese kosteten viele Menschenleben. An einer Seite war eine große Grube ausgehoben worden, in welche die Asche der Verbrannten geschüttet wurde. Das Lager war von einer doppelten Stacheldrahtumzäunung unter Hochspannung umgeben, dazwischen lief ein schmaler Pfad, auf dem die Wachposten patrouillierten. Es gab Wachtürme, die mit Maschinengewehren und Scheinwerfern versehen waren; sie tauchten das Lager bei Dunkelheit in grelles Licht, nur nicht bei Fliegeralarm. Nach Schätzungen haben sich insgesamt 20.000 bis 25.000 Häftlinge in Natzweiler aufgehalten, kurz vor der Evakuierung waren es rund siebentausend. Die Anzahl der Toten blieb ungeschätzt. Der Lagerkommandant - erst Hüttig, dann Kramer, danach Hartjenstein - wohnte in einer Villa mit Schwimmbad nahe beim Tor. Dort in der Nähe befanden sich auch die SS-Baracken. Die Bewachungstruppe war hundertsechzig bis zweihundert Mann stark (also ein SS-Mann auf beinahe vierzig Gefangene!). Unterhalb des Lagers war in einer steinernen Scheune bei Le Struthof eine Gaskammer eingerichtet worden. Vom Lager nach oben, auf die Louise führte ein etwa ein Kilometer langer Weg zum Steinbruch, dem größten Kommando, in dem tausend Mann arbeiteten. Auf dem Steinbruchgelände befanden sich Hallen, wo in Tag- und Nachtschicht gearbeitet wurde. Im Lager gab es Wohnbaracken, eine Küchenbaracke, Revierbaracken, eine Typhusbaracke, einen Bunker und das Krematorium mit anschließendem Baderaum. Der Elektrozaun wird nachts aus Sicherheitsgründen wieder unter Spannung gesetzt, da aus rechten Kreisen sehr oft zu hören ist, dass das KZ Natzweiler nach dem Krieg zu Propagandazwecken aufgebaut wurde und diesem Personenkreis ist dieses Mahnmal ein Dorn im Auge.
Das Krematorium

Gleich am Eingang des Krematoriums ist der Verbrennungsofen zu sehen. Dort wurden die zuvor gefolterten Häftlinge verbrannt. Oftmals gab es mehr Leichen, als in der Schnelle verbrannt werden konnten, da immer nur ein Körper in den Ofen konnte. So stapelten sich die Leichen im Nebenraum und später sogar im Freien.
Als 1944 die Alliierten heranrückten und das Lager evakuiert werden sollte, kämpften die Freiheitskämpfer unten in den Tälern offen gegen die SS. Daraufhin wurde ein Teil der männlichen Bevölkerung verhaftet, ermordet und verbrannt. Als dies immer mehr Zeit in Anspruch nahm- die Amerikaner rückten immer näher- verzichtete die SS auf das Hängen und stieß die Männer ohne weitere Umschweife in den Ofen.Sthfkrem.jpg (41324 Byte)
Im Krematoriumsgebäude befand sich außerdem noch ein Raum mit Tonurnen, sowie ein Sezierraum. Die Tonurnen dienten dazu, die Häft1inge auch über ihren Tod hinaus zu "verwerten" und "auszubeuten". Nicht nur, dass man ihre Arbeitskraft restlos ausnutzte, sie zu pseudowissenschaftlichen Experimenten mißbrauchte, ihre "verwertbaren" Körperteile (von den Goldzähnen bis hin zu den Haaren) weiterverarbeitete, man trieb sogar einen lukrativen Handel mit ihrer Asche. So bekamen die Angehörigen die Möglichkeit, die Asche des Verstorbenen für 100 Reichsmark zu kaufen. Ob ihnen die jeweilige Asche tatsächlich übersandt wurde, bleibt fraglich. Ebenso fragwürdig sind die den Angehörigen gegenüber gemachten Aussagen über die Todesursache. Natürlich sollte hierbei verschleiert werden, dass im KZ permanent gemordet wurde.
Der Seziertisch im Nebenraum diente dem Straßburger Professor Hirt zur "Forschung vor Ort." Um seine pseudomedizinischen Versuche voranzutreiben bekam Hirt die Genehmigung hier im Lager zu arbeiten.

Der Galgen

Hier wurden die offiziell verhängten Todesurteile vollstreckt. Die Leichen wurden zur Abschreckung teilweise noch eine Weile hängen gelassen, bevor sie zur Verbrennung ins Krematorium gebracht wurden. Der ehemalige Häftling Floris Bakels berichtet wie er in schauriger Weise miterleben mußte, wie ein junger Pole umgebracht wurde:
"Am 2. Juni 1944 um 12 Uhr mittags sind vor dem Austeilen der Suppe alle Innenkommandos angetreten. Auf einer der höher gelegenen Terrassen steht der Galgen, ein ungefähr vier Meter hohes Gerüst mit einer kastenartigen Plattform darunter, an der ein Pedal angebracht ist. Tritt man dieses Pedal, klappt der Kastendeckel herunter. Wer auf dem Deckel steht, mit dem Strick um den Hals, stürzt dann einen Meter tief und bricht sich dabei das Genick. So ist es jedenfalls normalerweise beim Hängen.
Ein junger polnischer Freiheitskämpfer soll auf einen Sondererlass Adolf Hitlers gehängt werden. Er steht neben dem Galgen, mit nacktem Oberkörper, in einer gestreiften Hose, barfüßig, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Der Kommandant tritt vor und beginnt, den Erlass aus Berlin mit dem Todesurteil und den Angaben von Gründen zu verlesen. Einige Teile scheinen abhanden gekommen zu sein. SS-Männer werden ausgeschickt, um sie zu suchen. Nach etwa zehn Minuten kehren sie unverrichteter Dinge zurück: der Schlüssel zum Aktenschrank ist unauffindbar. Der Kommandant teilt uns mit, dass wir den Rest später zu hören bekommen. Sthfgalg.jpg (45725 Byte)
Der Pole fragt, ob er die Stufen hinaufsteigen soll. Ja. Wortlos steigt er hinauf. Zwei mit dieser Aufgabe betraute Häftlinge legen ihm die Schlinge um den Hals und treten zu uns in die Reihe zurück. Plötzlich geht ein SS-Mann auf die Plattform zu und tritt das Pedal. Der Junge verschwindet bis zu den Knien im Kasten.
Anscheinend berührt er mit seinen Fußspitzen den Boden, denn das Seil ist nicht straff gespannt. Er versucht, wieder auf den Kasten zusteigen. Ein SS-Mann stürzt hinzu und stößt den Kasten zur Seite. Jetzt sehen wir, dass der Junge tatsächlich auf den Zehenspitzen steht. Sein Gesicht wird erst dunkelrot, läuft dann blau an, sein Körper, seine Arme und Beine zucken. Zischende Laute kommen aus seinem Mund.
Durch die Reihen der Tausenden geht ein Raunen, als ob der Wind durch dürres Laub fährt. Nach ungefähr fünf Minuten wird ein Befehl gekreischt. Zwei Helfer des Henkers eilen zu dem Jungen. Einer hebt ihn vorsichtig auf, der andere schwingt den Strick mit einer Schlinge über den Galgen. Dann lassen sie ihn weder herunter - vorsichtig. Doch wieder bricht sich der Junge das Genick nicht, aber nun hängt er. Sein Gesicht wird jetzt dunkelblau, ja schwarz durch das angestaute Blut: vor unseren Augen wird er end1os erwürgt. Langsam dreht er sich hin und her, hundertachtzig Grad nach links, hundertachtzig Grad nach rechts und wieder zurück und wieder hin, grauenhafte Zuckungen und Laute, die nie von einem Menschen stammen können. Was können wir tun? Zwei Mann stehen in den Wachtürmen. Vor dem geladenen Stacheldraht liegt SS hinter Maschinengewehren. Es wird totenstill. Der Pole beginnt zu würgen, zu röcheln. Plötzlich krampft er sich zusammen, als ob E1ektroschocks durch ihn geleitet würden. Nach einer Viertelstunde, das Schauspiel ist noch in vollem Gange, erha1ten wir plötzlich den Befehl zum Einrücken. Beim Abmarschieren kommen wir am SS-Henker vorbei, vor dem wir in Haltung vorübergehen müssen. Mützen ab. Die meisten von uns nehmen die Mütze ganz unverhohlen nicht vor dem Henker, sondern vor seinem Opfer ab, das nicht merkt, dass es von Tausenden seiner Schicksalsgefährten mit einem letzten Gruß geehrt wird. Eine Viertelstunde später müssen wir wieder zur Arbeit antreten. Der polnische Junge dreht sich noch immer hin und her, zuckt noch immer mit den Armen, mit den Beinen. Sein Gesicht ist jetzt fahlgrau. Die Zunge hängt ihm aus dem Mund. Der SS-Mann mit seinen Stiefeln und Totenköpfen, mit Revolver und Alpenjägermütze geht gähnend davor auf und ab. Das Sterben hat eine dreiviertel Stunde gedauert."

Teilweise entnommen aus: www.dead.doerfler.de

Belehrung für Neuzugänge:

Auf Grund Eurer Vergehen und Vorstrafen, auf Grund Eurer feindlichen Einstellung dem deutschen Volke gegenüber hat man euch in das Konzentrationslager gebracht. Das deutsche Volk lehnt Euch ab und hat Euch isolieren lassen. Bei der Einlieferung will ich Euch jedoch darauf aufmerksam machen, was ein Konzentrationslager ist. Ein Konzentrationslager ist kein Sanatorium und kein Erholungsheim, sondern ein Isolierungslager, ein Umschulungslager und ein Arbeitslager. Geleitet und geführt wird das Lager durch Angehörige der Waffen-SS. Jeder Angehörige der SS, und sei es der jüngste Rekrut, ist euer Vorgesetzter. Ihren Anordnungen und Befehlen ist sofort und widerspruchslos genauestens Folge zu leisten. Zur Hilfestellung der SS wurden verschiedene Häftlinge herausgesucht, am Block die Block- und Stubenältesten, zur Anweisung bei der Arbeit, die Kapos, deren Anordnungen und Anweisungen sind ebenfalls genauestens zu befolgen. Die Einzelheiten der Lagerordnung geben euch die Block- und Stubenältesten bekannt. Wer diese Vorschrift nicht befolgt, sich schlecht führt, schlechte Arbeit leistet, wird bestraft. Wir kennen die Verwarnung, die leichte Strafe (Sonntagsarbeit, Kostentzug, Torstehen) sowie die schwere Strafe (Pfahlbinden, verschärfter Arrest, Stockhiebe). Bei fortgesetzter schlechter Führung erfolgt die Verlegung in den Strafblock. Dies bedeutet eine empfindliche Haftverschärfung. Jede Strafe verlängert die Schutzhaft, und zwar die Verwarnung um Wochen, jede leichte Strafe verlängert die Haft um Monate, jede schwere Strafe um ein Jahr. Eine Entlassung aus dem Strafblock bei begrenzter Einweisung kommt nicht in Frage. Wer jedoch meint, er kann sich unangemeldet vom Lager entfernen, d.h. Flucht ergreifen, der sei gewarnt. Das Betreten der neutralen Zone sowie das Überschreiten der Postenkette ist verboten und mit Lebensgefahr verbunden. Der Drahtzaun ist elektrisch geladen und das Berühren der Drähte führt den Tod herbei. Die Posten auf den Arbeitsstellen und auf den Türmen haben strenge Anweisung bei dem geringsten Fluchtversuch, ohne vorherigen Anruf, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Sollte aber einer versuchen, durch Flucht von hier fortzukommen, so rate ich ihm, vorher mit seinem Leben abzuschließen, denn bisher ist noch jeder zurückgebracht worden, wenn auch der ein oder andere nicht mehr gelebt hat. Das ist das, was ich Euch bei der Einlieferung ins Lager zu sagen habe. So wie Ihr Euch führt, was Ihr für Arbeit leistet, so werdet Ihr beurteilt und dementsprechend werdet Ihr auch behandelt werden. An Euch allein liegt es letzten Endes selbst, wie lange die Schutzhaft dauern soll.
Aus: www.dead.doerfler.de