| Schuld
Michaels
Michael steht vor einem großen
Gewissenskonflikt. Er sucht die Schuld für Hannas Verschwinden und das Ende der Beziehung
bei sich, da er glaubt, sie durch die Geheimhaltung ihrer Beziehung, verraten zu haben. Bei dem späteren Wiedersehen im Gerichtssaal fühlt er eine erneute Schuld. Er hatte eine Verbrecherin geliebt. Um diese Schuld von sich zu weisen, ersucht er das Verhalten Hannas nachzuvollziehen und zu rechtfertigen. Wieder steht er vor einem Konflikt. Er will Hanna einerseits verurteilen, doch andererseits will er sie für nicht schuldig erklären, um das Schuldgefühl von sich abzuwenden. Michael fühlt sich verantwortlich für ihr weiteres Schicksal, denn er ist der einzige, der von ihrem Analphabetismus Kenntnis hat. Er wäre in der Lage den Prozess durch dieses Wissen für sie zu beeinflussen, doch hat er Angst, sie ein zweites Mal bloß zu stellen. Er sucht Hilfe bei seinem Vater und deutet den ihm gegebenen Rat so, dass es besser wäre, sein Wissen für sich zu behalten, um Hanna nicht bloßzustellen und ihre Würde zu waren. Zunächst fühlt er sich entlastet, da ihm mit dieser Entscheidung für kurze Zeit die Verantwortung genommen wurde. Doch fühlt er sich kurze Zeit später wieder schuldig, da ihm klar wird nicht alles, ihm mögliche, getan zu haben. Er wirft sich vor, nicht mit Hanna darüber geredet zu haben, was ihre Aussagen für Konsequenzen haben. Er hätte ihr klarmachen können, dass die Anerkennung ihres Analphabetismus´ zu einer Milderung ihrer Strafe hätte führen können. Dieses Schuldgefühl versucht er dadurch zu mindern, dass er ihr während ihres Gefängnisaufenthaltes Kassetten bespricht und ihr Briefe zukommen lässt.Doch mindert das seine selbst empfundene Schuld nicht. Michael macht sich auch seiner Tochter gegenüber schuldig. Er kann ihr nicht die Liebe entgegenbringen, wie sie für ein Kind nötig gewesen wäre. Dies ist damit zu erklären, dass auch Michael in seiner Kindheit von seinem Vater keine Liebe entgegengebracht wurde. Er ist sich dessen bewußt und empfindet so eine Schuld, die er auch nicht dadurch verringern will, dass seine Frau Gertrud ebenfalls nicht in der Lage ist, der gemeinsamen Tochter genügend Aufmerksam zu schenken. |