Analphabetismus

Allgemeine Definition:
Personen, die weder schreiben noch lesen können, werden als Analphabeten bezeichnet. Nach der UNESCO Statistik gibt es ungefähr 950 Millionen Betroffene auf der Welt.
Es gibt zwei Formen des Analphabetismus, zum einen den primären und zum anderen den sekundären. Der primäre, natürliche Analphabetismus taucht im Besonderen in Ländern der dritten Welt auf und ist durch das mangelnde Schulwesen zu erklären. Bei dem sekundären werden in der Schule gelernte Formen des Schreibens und Lesens durch mangelnde Übung und Anwendung verlernt.
Besonders in den Industrieländern wird vom funktionalen Analphabetismus gesprochen. Diese Form des Analphabetismus entsteht durch fehlende, unzureichende oder unsichere Beherrschung der sich stets wandelnden Schriftsprache, da die Betroffenen nicht in der Lage sind Schriftsprache im Alltag zu nutzen. Die Ursachen des Analphabetismus sind oft soziale Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus. Aber auch das fehlende Interesse für die Texte, die in der Schule verwendet werden, um den Schülern das Lesen und Schreiben zu vermitteln, ist eine der Hauptursachen des funktionalen Analphabetismus bei jungen Menschen.
Durch eine geistige Behinderung muß man nicht zwangsläufig Analphabet sein. Es ist möglich als solcher das Lesen und Schreiben zu erlernen, es sind jedoch verfeinerte methodisch-didaktische Methoden des Lehrenden von Nöten.

Analphabeten im Alltag:
Analphabeten leben in der ständigen Angst als solche aufgedeckt zu werden, so entwickeln sie Taktiken im alltäglichen Leben um diese Beeinträchtigung zu verschleiern. Sie versuchen jede Situation in der sie lesen oder schreiben müßten zu umgehen und lassen sich Ausreden einfallen, wie z.B. sie hätten ihre Brille vergessen. Sie sitzen aber auch in der Öffentlichkeit und täuschen vor ein Buch oder eine Zeitschrift zu lesen, um den Eindruck zu vermitteln sie könnten lesen. Aber in Wirklichkeit leben Analphabeten alltäglich in Angst. Sie stellen sich stets unter den Druck nicht entlarvt zu werden und durch diese Bemühungen wird ein „normales" Leben in vielen Situationen schwierig.

Maßnahmen gegen den Analphabetismus:
Erst seit den 70er Jahren wird in Deutschland das Problem des Analphabetismus erörtert und der Versuch unternommen gegen ihn vorzugehen. Dies geschieht insbesondere in den Volkshochschulen, in denen mittlerweile spezielle Kurse angeboten werden um den Analphabetismus zu bekämpfen. Es wird in diesen Kursen verstärkt darauf geachtet, dass die Themen und Inhalt der Texte in diesem Unterricht im Interessenfeld der „Schüler" liegt, um zu vermeiden, dass der Lernprozeß durch Desinteresse beeinträchtigt wird.
Aber dieser Weg aus dem Analphabetismus ist kein einfacher. Das größte Problem besteht darin, dass Analphabeten ihre fehlende Fähigkeit des Lesens und Schreibens erst einsehen und zu ihr stehen müssen, bevor sie eine „Therapie" in Form eines solchen Unterrichts akzeptieren.

Quelle:  Lexikon „Wissenswertes zur Erwachsenenbildung"