"Der Campus": Filmkritiken

Sönke Wortmanns Verfilmung des Bestsellerromans "Der Campus" von Dietrich Schwanitz hat, wie man im Folgenden anhand ausgewählter Beispiele feststellen wird, die deutsche Kritikerwelt gespalten.
Die unterschiedlichen Auffassungen der Kritiker sollen hier beschrieben werden.
 
1. Negative Kritiken
 
Zeit - Kritiker Alexander Kilb äußert sich in seiner Kritik im Feuilleton der Zeit vom 05.02.1998 wie folgt: "Wortmann müht sich redlich, die komplizierten Scherze des Buches in filmische Hülsen zu gießen, aber zuletzt errichtet er doch weniger dem Geist der Satire ein Denkmal als seiner eigenen Beflissenheit." Der Kritiker ist der Auffassung, dass die Verfilmung der Romanvorlage nicht gerecht wird.
Die schauspielerischen Leistungen der einzelnen Mimen bezeichnet er sinngemäß als oberflächlich und eindimensional: "Nur Sandra Speicherts unerwartet starker Auftritt als Studentin Babsi, die sich von Heiner Lauterbach im Liebesrausch um den Tisch jagen lässt, zieht eine leichte Welle der Erregung durch diesen flachen(!)Film."
Die wortmannsche Verfilmung sei, so Kilb, eine typische deutsche Komödie, in der zwar viel, aber nichts unerwartet passiere.
 
Zu einem ähnlichen Schluß kommt der Kritiker des Rheinischen Merkur, Karl - Heinz Schäfer, in seiner Rezension vom 17.05.1998.
Wortmanns "Der Campus" liegt, so Schäfer, "auf Linie mittelprächtiger deutscher Kinospäße: Nicht um die intensive Darstellung seelischer und gesellschaftlicher Zwangsjacken geht es dem Film, sondern um das Arrangement von Gags, die nicht immer wirkungsvoll, häufig polterig und selten die originellsten sind"
Sandra Speichert sei "restlos überfordert". Ebenso würde Heiner Lauterbach seiner Rolle nicht gerecht. Einzig Axel Milberg falle, so der Rezensent , positiv aus dem Rahmen.
Als witzigste Szene erscheint ihm die "Derrick-Szene".
Letztendlich besitze der Film jedoch zuviel Leerlauf, bediene zu vieler Klischees und spiele am Leben vorbei.
 
Ähnlich im Tenor, jedoch krasser im Ton formuliert es Pro Sieben in ihrer Rezension:
Der Auffassung dieses Kritikers nach habe Wortmann "nicht nur die Story, sondern auch die ganzen geistreichen Elemente des Buches verhunzt."
Es handle sich um einen "überdrehten Abklatsch" der schwanitzschen Vorlage. Der Film sei, auf Kosten der Glaubwürdigkeit, in kein filmisches Genre einzuordnen.
Die schauspielerischen Leistungen werden mit "entsetzlich" bewertet. Alles wirke platt und berechenbar.
 
Eine Anonyme Rezension mit dem Titel Wahrheit, Bildung, Lehre kommt zu dem Schluss, dass ein Film nicht glaubwürdigsein muss, um zu unterhalten.
Dennoch sei "Der Campus" "weder intelligent, noch spannend oder witzig geraten, größtenteils ist er einfach nur peinlich." und "in der Wahrheit des Kritikers, ein schlechter Film."
 
Torsten Beermanns Rezension "Belanglos, lieblos, unrealistisch" vom Februar 1998 beinhaltet ähnliche Kritikpunkte.
Sein Urteil über die Verfilmung fällt ähnlich schlecht aus: "Ärgerlicherweise ist die Umsetzung fürs Kino auch noch lieblos, unrealistisch und ohne Gefühl für den subtilen Humor des Stücks geraten - und deshalb deutlich misslungen."
Der Film sei zwar mit Routine abgedreht worden, sei jedoch trotz allem nicht mehr als ein "belangloses Standard-Werk". Darüber hinaus hält Beermann die Verfilmung für nicht besonders witzig.
Von den Schauspielern steche, so der Verfasser, einzig Heiner Lauterbach positiv hervor.
 
2. positive Kritiken
 
W. Hübner stellt in seiner Kritik Harte Schläge von leichter Hand der "Campus"-Verfilmung ein ausgesprochen positives Zeugnis aus.
Seines Erachtens habe Wortmann die "geistreich witzige Vorlage handwerklich gekonnt verfilmt." Der Film wird, nach Hübners Ansicht, den Ansprüchen an eine gute Komödie mehr als gerecht. Sein Lob summiert sich in der Aussage, dass es sich bei dem Film um ein "reines Sehvergnügen" handle.
Die Leistungen der Mimen bezeichnet er als "herausragend"; bei Heiner Lauterbach spricht er sogar von einer "Glanzrolle".
 
Eine anonyme Rezension lobt an dem Film das Staraufgebot, die subtile Art der Ironie, die Qualität der Dialoge sowie die gute Spielleistung.
 
Claudia Hötzendorfer findet in ihrer Rezension aus dem Jahre 1998 mit der Überschrift "Gelungener Genremix" eine Schwachstelle schauspielerischer Art:
Sybille Canonica spiele die Rolle der Ehefrau "hölzern" und "gestelzt", was sie "unglaubwürdig" wirken lasse. hierbei handle es sich aber um eine Ausnahme.
 
Trotz positivem Urteil findet Merten Worthmann in ihrer Kritik "Fauler Fortschritt" mehr als eine Schwachstelle.
Bei Wortmanns Verfilmung handle es sich um ein "breit ausgemaltes, wenngleich komisches Sittenbild", welches fast "Helmut - Dietl - Klasse" besäße.
Dennoch muss sie feststellen, dass die Kritik bei aller Komik zu wenig Beachtung findet. Darüber hinaus seien "billige Tricks aus der Klamaukkiste" verwendet worden.
 
3. Der Regisseur
 
Wortmann antwortete auf die Frage des City - Guide - Journalisten Uwe Mies, wie er auf Kritik reagiere, mit der Aussage, dass es sich nicht mehr lohne, ihn "anzupissen". Ihn überrasche derartiges Verhalten nicht mehr. Der Erfolg seiner Filme bestärke ihn in seiner Auffassung.
 
Lars Bechstein, Verena Gersch
 

Filmkritik des Lehrers:

 
http://www.filmrezension.de/+frame.shtml?/filme/der_campus.shtml