Satirischer Stil


1. Allgemeines zur Satire

  Ironie Satire Parodie
       
Definition Verstellungsspiel aggressiver spöttisch
  intellektuell überlegener Spott Nachahmung
  überlegenen   Bekannter Werke und Muster
  Untertans    
       
Mittel Untertreibung Übertreibung Einsatz literar.
  Sprechen mit verstellter Stimme Scharfe Kontrastierung von Anspruch und Wirklichkeit  
       
    Scharfe Kontrastierung von Anspruch und Wirklichkeit  
       
Zweck In Frage stellen bestehender Verhältnisse und Ansichten Lächerlichmachen Bloßstellung der Herrschenden Komik und Unterhaltung
      Entlarvung von Kunstklischees
       
  indirekt direkt Kunstkritik
  Zeit- und Sozialkritik Zeit- und Sozialkritik  


SATIRE
Sie ist eine literarische Form der Kritik und Verspottung herrschender Verhältnisse mit den Mitteln der Übertreibung (Hyperbel), des treffenden Wortwitzes und einer gewissen Aggressivität. Satire will entlarven, verspotten und eine kritische Haltung hervorrufen.
 
IRONIE
Sie ist die Kritik und Verspottung herrschender Verhältnisse mit den Mitteln und Verstellung und Verkehrung. Das Gesagte ist nicht wörtlich zu nehmen, das Gemeinte und das Gesagte stehen in indirekten Verhältnis zueinander.
 
PARODIE
Verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung (parodia-Gegengesang) eines bekannten Werkes. Die Form wird beibehalten, jedoch der Inhalt humoristisch verändert. Der komische Effekt entsteht aus der Spannung zwischen dem bekannten Original und der Nachahmung. Parodie ist ein Bildungsspiel, da sie die Kenntnis der Vorlage voraussetzt.

2. Analyse

"vom platten Slapstick bis zur intellektuellen Satire ist alles da" schreibt Eva Leipprand in der Neuen Züricher Zeitung über Dietrich Schwanitz' Erstlingsroman.
Und tatsächlich wechselt sich pure Situationskomik mit gnadenlosem Sarkasmus ab.
Die Universität, ihr Kollegium und ihre Studenten, Feminismus und Journalismus sind die Themen, die Schwanitz eifrig aufs Korn nimmt.
Sein Schreibstil ist geprägt von oft bizarr wirkenden Vergleichen ( S.43 "[Alice] gab ihm schwungvoll die Hand, wie nach einem abgeschlossenen Kuhhandel auf dem Viehmarkt"; S.305 "wie ein Marktweib auf faulem Obst saß er jetzt auf seinen Zeugen"),
rhetorischen Fragen ( S.123 "Waren nicht beide militaristisch und phallokratisch? [...] Waren nicht Ausländerfeinde auch Frauenfeinde?"),
Parataxen ( S.232 "Und er legte auf. Bernie dachte nach. Pit hatte Recht."), Ausrufen ( S.105 "Den hatten sie doch gar nicht vorgeschlagen! Da war doch irgendein Unfall passiert!") und einigen Neologismen ( S. 270 "Informationsnuggets").
Schwanitz schreibt meist in einem gehobenen Stil, der von fachsprachlichen Ausdrücken durchzogen ist; er erzielt so eine Komik, die darauf basiert, dass Banalitäten durch geschickte Formulierungen "aufgeputscht" werden ( S.302 "Die Agonien des ringenden Ausdrucks - das hemmungslose phonetische Gemetzel und die respiratorischen Konvulsionen ruinierten jeden geschäftsmäßigen Ernst.").
Aber er bedient sich auch gerne der Umgangsprache, wenn es darum geht, die Studenten seines Campus' zu parodieren; er legt der robusten Alice Hopfenmüller einen starken bayerischen Akzent in den Mund, läßt die Baurbeiter Berlinerisch, die Handwerker Hamburgisch plaudern und die Journalisten Bülhoff und Martin Sommer ihre gegenseitige Zuneigung in "breiteste[m] Ruhrgebietlerisch" ( S.146 ) ausdrücken.
Für die "maßlose Häßlichkeit" ( S.34 ) des Campus' findet der Autor recht direkte Worte: sie sehe aus, "als ob ein Zyklop im Zorn einen Haufen Klötze und Quader auf ihm verstreut hätte" ( S.33 ) und besitze eine "verkommene Gammelatmosphäre" ( S.55 ).
Das Buch lebt von den gut ausgearbeiteten Charakteren, an Hand derer Klischees ausgereizt und Verhaltensweisen ins Lächerliche gezogen werden; es wird übertrieben ohne Rücksicht auf Verluste.
So trifft man auf verbissene Feministinnen, die all ihren Ehrgeiz in die Jagd auf das "Sexmonster" stecken, vom Fachidiotismus befallene Professoren, "kaugummikauende[], zottelige[], stammelnde[] Höhlenbewohner" ( S.46 ) alias Studenten, Journalisten, die wie Steinzeitmenschen im Dreck herumwühlen und schließlich den facettenreichen Bernie, der ironischerweise Abends deutsche Kriminalfilme sehen muss anstatt an Publikationen zu arbeiten ( S.229 ff.).
Neben längeren Passagen, in denen Schwanitz Sachverhalte und absurde Situationen übertrieben und ironisch darstellt, finden sich zahlreiche Wortwitzeleien, die auf der abstrusen Verwendung von Fachjargon aufbauen und durch komische Koppelungen von Substantiven und Verben ihren Reiz gewinnen ( S.31 "Die Traktoristin glotzte Unverständnis").
Alle Sensationsgier der Menschheit wird von einer "silberhaarigen Dame" verkörpert, die "ihren Oberkörper in Richtung Hirschberg" wirft, um zu erfahren, ob denn der "Erste Bürgermeister eine Geliebte" habe ( S.270 ).
"Treffende[n] Sprachwitz und gelungene Situationskomik" bescheinigt dem Autor auch F. Frank von der Süddeutschen Zeitung, und auch der Stern ist positiv gestimmt:
"Er witzelt, hämt und höhnt, daß der Elfenbeinturm wackelt" schreibt W. Röhl.

Rouven Rogalla, Jenny Seitz