Der Roman in der Kritik


Autor Pro Contra
Sven Boedecker "unterhaltsam geschrieben und formal souverän bewältigt"  
Ludger Luetkehaus "Schwanitz kann glänzend schreiben,geistreich und eloquent,manchmal tiefernst, meist witzig, böse , sarkastisch."  
Achatz von Müller   "Überhaupt wirkt die politische Beschreibung der Universität und ihrer Konflikte überholt."
F.W.Bernstein   "[...], daß er seinen Roman in die Scheißgasse gefahren hat."
Jamal Tuschick "Schwanitz ist einglänzender Erzähler","Man liest ihn, wie man zuweilen einer intelligenten Plauderei folgt: mit Vergnügen[...]" "[...]und doch ganz ungerührt."
Anonym "Dietrich Schwanitz' »Campus« ist gleichermaßen plakativ gepinselt und fein gewirkt und, bei aller Düsterkeit, streckenweise komisch. Vor allem entbehrt er der bleiernen Schwere, die über vielen Romanen deutscher Pro-venienz liegt."  
Anonym "Dietrich Schwanitz ist ein Wortkünstler. Wenn der Professor für englische Literatur und Kultur an der Universität Hamburg seine Vorlesungen ebenso eloquent gestaltet, wie er schreibt, muss der Hörsaal jeweils zum bersten voll sein."  
Petra Berndorf "unterhaltsam geschilderten Details","Das mit dem Schreiben geht ja schon ganz gut - mach's noch mal, Professor Schwanitz!"  
Manfred Lauffs "Das ist schlicht meisterhaft und erstaunlich zugleich", "Auf jeden fall einer der besten gesellschaftskritischen Romane seit langem, schonungslos und vergnüglich zugleich"  
Wm "liest sich fast durchgehend flott, unterhaltsam und sogar spannend" "Lediglich an einigen Stellen wirken die Attacken im »Campus« etwas aufgesetzt und zu sehr auf Abrechnung und Belehrung ausgerichtet"

Fazit

Auch wenn die Meinungen bezüglich dieses Romans so weit auseinander gehen, wie es nur überhaupt möglich ist, sind sich in einem Punkt die meisten Kritiker recht einig. Das Buch erinnert für Kenner der Materie sehr stark an Werke von Autoren wie David Lodge oder Malcom Bradbury (>The History Man, 1975<), welche wohl die bekanntesten englischen Schriftsteller der sogenannten campus novel sind.
Doch im deutschen Raum betritt Schwanitz hier Neuland.
Die meiste Kritik muss sich der pensionierte Professor im Bezug auf die klischeehaften Charaktere seiner Story gefallen lassen. Ob es sich nun um die Frauenbeauftragte, die vollbusige Babsi oder auch um die intellektuell eher zurückgeblieben wirkenden Bauarbeiter handelt, hätten die Figuren ruhig etwas individueller ausfallen können.
Die beste Kritik bekommt der "frischgebacke" Verfasser für seine Beschreibung die auf seine eigenen Erfahrungen zurückzuführen ist.
Auch wenn die endgültigen Meinungen sehr differenziert sind, ziehen sich doch durch fast alle Artikel Begriffe wie "sarkastisch", "Selbstironie" und "überzogen".
Für manche ist es ein Buch für absolute "Uni-Hasser", in dem es nur fiktional zugeht, für andere ist es ein Auszug aus der Realität, wie er genialer nicht hätte beschrieben werden können.
Die Mehrzahl der Kritiker nimmt es jedoch als einen ausgezeichnet geschriebenen Roman an, der an manchen Stellen zwar etwas überzogen, aber halt auch nicht ganz so ernst zu nehmen ist.
Abgesehen von all diesen Beurteilungen wurden im Laufe der Zeit aber auch immer andere Stimmen laut. Einigen kam es doch recht merkwürdig vor, wie Schwanitz zu solchen Höchstleistungen auflaufen konnte, war er doch erst kurz zuvor wegen gesundheitlicher Probleme in den Vorruhestand gegangen! Und nun all die Interviews bei Rundfunk, Fernsehen und etlichen Zeitschriften! Was man jedoch nun letztendlich davon hält, bleibt ja Gott sei Dank immer noch jedem selbst überlassen.

Eigene Meinung

Schwanitz Rundumschlag ist wirklich ein Buch bei dem man sich das ein oder andere Grinsen nicht verkneifen kann. Es liest sich, bis auf einige Stellen, in denen Vorträge über abschweifende Themen bis ins Letzte beschrieben werden, durchgehend sehr flott und spannend.
Es ist jedoch große Vorsicht geboten! Man sollte (vor allem als Exemplar der weiblichen Gattung) manche Stellen nicht allzu ernst nehmen, da sonst sehr schnell der Eindruck erweckt werden könnte, dass dies hier ein Musterbeispiel für sexistischen Sprachgebrauch darstellt. So werden die Frauenbewegung der Uni doch als etwas übertrieben feministisch und blutrünstig beschrieben, und das Klischee eines Bauarbeiters so perfekt erklärt, wie es der Volksmund nicht hätte besser machen können. Ist man jedoch in der Lage, sich nicht direkt von jedem Angriff gegen eine bestimmte Gruppe angesprochen zu fühlen und über das eine oder andere einfach hinwegzusehen, kann man anfangen zu lesen und erst nach der letzten Seite das Buch wieder aus der Hand legen.
Nun bleibt jedoch immer noch die Frage, ob "Der Campus" auch in Zukunft zur Pflichtlektüre kommender Schülergenerationen werden sollte oder ob es sich hier um ein nettes Experiment handelt, welches zu einer Wiederholung jedoch nicht unbedingt einlädt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich hier zwar um ein sehr lesenswertes Buch handelt, aber doch eher in die Freizeit eines Schülers gehören sollte. Nicht dass wir mit Vergnügen lieber Werke von Goethe in uns hineinschlingen, vielmehr stellt sich hier die Frage nach dem Sinn des Deutschkurses. Ein Stück wie "Faust" verstehen die wenigsten auf Anhieb. Und die beiliegenden Erläuterungen sind zum Teil umständlicher ausgedrückt als das Stück selbst. Trotz alledem wird dieses Wissen auch heute noch von einem Abiturienten verlangt, so dass Bücher von Schriftstellern wie Schwanitz (zumindest dieses!) vielleicht eher in den Hintergrund rücken sollten.

Stefan Dreyer, Judith Klingen