Bernie Weskamp

 

Bernd Weskamp - genannt Bernie - agiert in Schwanitz' Uni-Satire "Der Campus" als Gegenspieler des Hauptcharakters Hanno Hackmann. Bernie ist zusammen mit Hackmann an der Hamburger Uni, nur hat er eine wesentlich unbedeutendere Stellung (C2-Professor) dort inne und wurde zudem weniger aus Leistungs- als aus finanzpolitischen Gründen zum Professor ernannt. Er strebt nach mehr Einfluss und Macht an der Universität und versucht so aus dem Fall Hanno Hackmann für sich Gewinn zu schlagen.
Zunächst steht Bernie der Vergewaltigungsgeschichte eher skeptisch gegenüber, auch noch nach dem Interview mit Babsi und dem ersten Bericht im JOURNAL. Er hält Barbara Clauditz für eine "Irre" (193).
Besonders deutlich wird dieser Neid auf Erfolgreichere oder Einflussreichere Menschen in einer Szene, in der er Ingo Knepper, einen Wohnungsgenossen aus seiner Studienzeit, wiedertrifft, der es mittlerweile zum Attaché gebracht hat (37). In jeder Bemerkung Kneppers wittert Bernie eine versteckte Anspielung auf seine geringere Stellung. Schon die Beschreibung seines Büros zeigt, dass Welten zwischen den Uni-Professoren unterschiedlichen Ranges liegen. Das "enge[n], schäbige[n]" (27) Büro könnte es nie mit dem geräumigen Arbeitsplatz von Hanno aufnehmen: Eine "Flucht aus vier Büros" (54), in der er bei Betreten die "verkommene Gammelatmosphäre des Campus" (55) hinter sich lässt. Genau danach strebt Bernie - nicht zuletzt auch um Rebecca Roth beeindrucken zu können, in die er verliebt ist. An ihr faszinieren ihn besonders ihre verschiedenfarbigen Augen - eins grün und eins blau (vgl. 28; 142) - und ihre "zartschmelzende Telefonstimme" (175). In den Szenen mit ihr wird zudem besonders deutlich wie sehr Bernie auf sein Wirken auf andere Personen bedacht ist und versucht dabei seine Persönlichkeit zu wechseln wie ein Chamäleon die Farbe, nur um seinem Gegenüber zu gefallen. Er ist abwechselnd "Bernie der Furchtlose" (142), "Bernie der Wahrhaftige" (142), "Bernie der Geheimnisvolle" (144) oder "Bernie der Machiavellist" (145) - weitere Titel siehe Liste am Ende.
Immer ist er um Selbstsicherheit bemüht, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass er sich zum Politiker berufen fühlt (33) und selber zu den "Auguren" (36) der Universität gehören möchte. Zwar gerät diese Selbstsicherheit oft ins Schwanken - in der Psychatrie etwa (156) oder bei seinem Lunch mit Rebecca als sie ihn für seine Diskretion lobt, er aber gar nicht genau weiß, weshalb in diesem Fall seine Diskretion so lobenswert war. Dennoch versucht er jedes Mal sich nichts anmerken zu lassen, um keine Schwäche, Fehler oder Uninformiertheit zugeben zu müssen. Diese Selbstsicherheit mischt sich mit einem gewissen Maß an Arroganz (vgl. 34 - betitelt Bettler am Wegrand als "Krüppel" und "verrückte Alte"). Er selbst verachtet die meisten seiner Kollegen (vgl. erste Sitzung des Disziplinarausschusses) und seine Studenten, die anscheinend nur durch ihre Dummheit herausragen ("Höhlenbewohner" 50). Diese Haltung findet unter anderem Ausdruck in seinen sarkastischen Bemerkungen oder Lebensbetrachtungen. So meint er z. B. in Bezug auf einen anscheinend besonders dumme Ausrede eines Studenten, der sein Referat aufgrund seiner schweren Kindheit, in der er geschlagen worden sei, er habe ein gewisses Verständnis für den brutalen Vater'(189). Zu befreundeten Kollegen spricht er ebenfalls gerne in einem sarkastischen Ton (97/98) bei dem oft ein leicht verbitterter Unterton mitschwingt. Es ist anzunehmen, dass er seinen Beruf hasst - sowohl den als Professor als auch sein Amt im Disziplinarausschuss - denn er kann weder seine Studenten, noch seine Kollegen (nachäffendes "blabla" 39) - zumindest den Großteil - leiden und die Aufgaben die er im Disziplinarausschuss zu lösen hat, sind für ihn nur ein Kampf gegen den "täglich lodernden Irrsinn" (88). Er wünscht sich lieber einen großen Fall ("Prinzipienstreit" 89), mit dem er gewissermaßen den Wahlkampf für den amtierenden Universitätspräsidenten ankurbeln kann um dann später Aussicht auf eine Beförderung zu haben, somit ist diese Stelle im Roman eine Vorrausdeutung auf den späteren Konflikt.
Zunächst hat auch für Bernie der Vorfall mit Babsis Zusammenbruch auf der Bühne und der angeblichen Vergewaltigung keinerlei Bedeutung. Nach dem Besuch in der Psychatrie bei Babsi glaubt er ihrer Version und wünscht sich bloß, den Fall endlich abschließen zu können. Auch nachdem er erfahren hat, dass ein Reporter des JOURNALs darüber berichten will, bleibt er dabei, dass an dieser Geschichte "nichts dran" sei (193). Doch durch eine Verkettung vieler verschiedener Umstände, bei denen mehrere Parteien eine Chance sehen hieraus ihren Vorteil zu ziehen, wird dieser Fall weiter verfolgt. Aber erst als Bernie bei einem Gespräch mit Hanno Hackmann herausfindet, dass dieser der Schuldige ist, setzt er alle Hebel in Gang um das Szenario für jenen "Prinzipienstreit" heraufzubeschwören, der sowohl der Karriere des Universitätspräsidenten als auch seiner förderlich sein soll.

 

Bernie ... Seite
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... der Geheimnisvolle 144
... der Machiavellist 145
... der Überlegene 152
... der Vielerfahrene 154

Rhea Cornely, Corina Hübner