
Der Autor und die Satire
Dietrich Schwanitz wurde am 23.4.1940 geboren, stammt aus Werne an der Lippe, also aus dem Ruhrgebiet (schon mal sympathisch!), studierte Anglistik, Geschichte und Philosophie in Münster, London, Philadelphia und Freiburg, wo er promoviert wurde und sich habilitierte. Von 1978 bis 1997 lehrte er als Professor für Englische Literatur und Kultur an der Universität Hamburg. Nach seiner frühzeitigen Emeritierung lebte er als freier Autor in Hamburg.
Schwanitz hat zahlreiche wissenschaftliche und essayistische Publikationen verfasst, darunter das Standardwerk "Systemtheorie und Literatur" (1990), eine "Englische Kulturgeschichte" (1996) und die beiden Bestseller "Bildung. Alles, was man wissen muss" (1999) und "Männer. Eine Spezies wird besichtigt" (2001).
1988 wurde sein Polit-Thriller "MacBarsh", eine Shakespeare-Travestie zur Barschel-Affäre, im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt. An der Universität leitete Schwanitz einen Workshop für Theater und Creative Writing.
Einem großen Publikum wurde er bekannt durch seinen Bestseller "Der Campus" (1995), eine bissige Hochschulsatire in der Tradition der "Campus Novels". Die Verfilmung des Buches durch den Komödienspezialisten Sönke Wortmann (1998) trug weiter zum Erfolg bei. "Der Zirkel" (1998) war der zweite Campus-Roman, ebenso frech, spannend und pfiffig wie der erste. Es geht darin - in aller Kürze! - um den jungen sympathischen Referenten des Hamburger Wissenschaftssenators namens Daniel Dentzer, der auf der Suche nach den Hintergründen eines Überfalls auf die ASTA-Vorsitzende in einen Dschungel aus Intrigen, Komplotten und Seilschaften gerät, um Leichen, die seinen Weg pflastern, um den "Zirkel" - das sind die inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi im Westen -, und darum, dass das Ideal der Liebe in Terror umschlagen kann. Am 21. Dezember 2004 wurde er tot in seiner Zweitwohnung in der Nähe von Freiburg aufgefunden, gestorben an Unterkühlung, wahrscheinlich nach einem Sturz.
Zur weiteren Information siehe: http://www.focus.de/wissen/bildung/tragisch_aid_89727.html
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Dietrich Schwanitz
ist Satiriker, und darin verwandt Erich Kästner, der vielen Lesern
allerdings nur - schade! - als Kinderbuchautor ein Begriff ist ("Das fliegende
Klassenzimmer", "Emil und die Detektive"). Es gibt erstaunliche Parallelen
zwischen den zwei Autoren: Beide sind Literaturwissenschaftler. Beide
behandeln das Thema "Die deutsche Universität" (Kästner in seinem Roman
"Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, 1931). Beide haben zweisilbige
Vor- und Nachnamen. Beide Vornamen enden auf "ICH", was auf die immer
wieder einfließenden subjektiven Erlebnisse hinweist. Schließlich kommen
die Buchstaben des Wortes SATIRE in beiden Namen vollständig vor. Das
alles kann kein Zufall sein !!! Aber ganz in heiterem Ernst: Ich glaube,
Schwanitz ist der erste große deutsche satirische Romancier seit Kästner.
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Auch unsere Zeit schreit nach Satire. Diese Gattung trifft oft besser als ein Artikel, ein Aufruf oder ein Pamphlet ins Zentrum. Sie reißt der Lüge die Maske der Redlichkeit ab, sie schwingt den Taktlosigkeitsstock, ist unbestechlich, kann aber selbst zustechen, und das oft in bestechender Manier. Aber schon Kästner erkannte, dass die Erwachsenen leider "zur Kategorie der Schwererziehbaren" gehören: "Sie fühlen sich in der Welt ihrer Gemeinheiten, Lügen, Phrasen und längst verstorbenen Konventionen 'unheimlich' wohl und nehmen Rettungsversuche außerordentlich übel". (Kästner, S. 119 f.) Das hat unser Autor Schwanitz am eigenen Leibe erfahren, seine Sympathiewerte bei den ehemaligen Kollegen an der Uni Hamburg halten sich in Grenzen. Man sagt allgemein, dass die Satire übertreiben müsse, um zu verdeutlichen, worauf es ihr ankomme. Wir kennen aber seit einigen Jahren die sogenannte Realsatire, und mir haben mehrere Freunde, die an der Universität Münster tätig sind, versichert, das Tolle an Schwanitz sei, dass er weitgehend Realität abschildere - so grotesk und unglaublich sie auch wirke. Aus ganz Deutschland - so der Autor - haben Kollegen angerufen und gefragt, "woher er die Verhältnisse an ihren Instituten kenne." (Volkmann-Schluck) Und ein Rezensent urteilte: "Schwanitz' Kritik mag übertrieben sein, die Realität ist übertriebener." (zit. n. Wisser).
Manfred Lauffs
Foto Schwanitz: http://www.eichborn.de/autoren/default.asp?pos=266&key=54&x=y
Foto Kästner: http://www.ekg.gp.bw.schule.de/kaestner