Neurosen

 

Definition:

Krankheiten und Behinderungen, die auf Grund von Störungen in der Entwicklungsphase des seelischen Wachstums des Menschen entstanden sind, nennt man Neurosen. Neurotische Muster sind bei jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung zu finden.

 

Ursachen:

Ursachen für Neurosen können in der Veranlagung vorgegeben sein, kann ein mangelhaftes bzw. schädigendes soziales Milieu sein, können auch durch Defizite in der frühen Erziehung, wie mangelnde soziale Kompetenz der Erzieher oder auch die Überbehütung, hervorgerufen werden.

 

Angst und die Versuche ihr entgegenzuwirken:

Übermäßige Angst kann die natürliche Entwicklung des Menschen blockieren. In der ungestörten Entwicklung bilden Spieltrieb, Neugierde und Lebenslust die Gegenkraft zur Angst. Bedingungen für diese Gegenkraft ist das Vertrauen in sich und die Umwelt. Neurotische Personen versuchen häufig auf kreative Weise der Angst entgegenzuwirken. Doch bei der Beschäftigung mit der Angst vergessen sie häufig die realen Probleme und haben zu deren Bekämpfung auch zu wenig Energie. Versuche sich von der Angst zu befreien, sind z.B. sich Traumbilder zu schaffen, der medikamentöse Weg, sich in kindlichen Geborgenheitsgefühlen zu wiegen, ritualisierte Aktivitäten ausführen, die Angst in Wut nach außen oder nach innen zu richten, d.h. andere oder sich selber zu schädigen, oder einfach den Problemen aus dem Weg zu gehen und sich in seine eigene Welt zurückzuziehen.

 

Psychosen

Definition:

Krankheiten, welche das Gehirn direkt oder indirekt schädigen, nennt man Psychosen. Sie entstehen meist zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr und verlaufen phasenweise.

 

Auswirkung:

Psychose ist die tiefreichendste psychische Erkrankung des Menschen, da sie die Identität betrifft und die Beziehung zur Umwelt grundlegend stört. Bei einer Desintegration des Ichs werden die psychischen Funktionen wie Denken und Fühlen erheblich beeinträchtigt und die Grenzen in der eigenen Person und zur Umwelt weichen auf, d.h., man wird sich selbst fremd. Psychosen sind existenzbedrohend und sind immer von starken affektiven Störungen, d.h. Ängsten, Erregung und Erstarrung begleitet. Psychosen sind von folgenden Eigenschaften geprägt. Es fällt schwer, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, der eigene Körper und seine Empfindungen können als fremd empfunden werden, Wahnvorstellungen dienen als Abwehr, d.h. der Desintegration des Ichs soll entgegen gewirkt werden. Halluzinationen sind auch Erscheinungsformen von an Psychose Erkrankten. Das Endstadium der Psychose ist erreicht, wenn die Kommunikation nach außen ganz abgestellt ist, d.h., der Patient sich zurückzieht und von der Außenwelt abgeschnitten sein will.

 

Ursachenforschung:

Es gibt drei verschiedene Theorien der Ursachen für die Psychosen. Die erste entstand aus der psychosozialen Forschung. Diese besagt, dass die Ursache in der Erziehung, Kommunikation und den gesellschaftlichen Verhältnissen liegt. Die Forschung biologisch-medizinischer Wissenschaftler ergab, dass die Ursachen in Störungen und Defekten des Gehirns zu suchen sind. Das aktuelle Erklärungsmodell von Psychosen sagt aus, dass Milieu-, Persönlichkeits- und Vererbungsfaktoren in Verbindung mit speziellen Auslösern in einer individuellen Gewichtung stehen und daraus Psychosen entstehen. Aus diesen drei Erklärungsmodellen lässt sich schließen, dass ein ganzes System mit Familie oder Gesellschaft ausschlaggebend für Psychosen ist.

 

Rehabilitation:

Wenn ein Patient von der Psychose geheilt wurde, erliegt er immer der Möglichkeit schnell rückfällig zu werden. Eine Vielzahl von Störungen des Allgemeinbefindens deuten auf diesen Rückfall hin. So z.B. erhöhte Erschöpfbarkeit, Minderung der Ausdauer, vegetativer Störungen, Libido- und Menstruationsstörungen, übermäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum, Wahrnehmungsstörungen, Einbuße von Naivität, Entschlussschwäche, soziale Störungen oder Verlust von Selbstvertrauen.

 

 

Neurosen und Psychosen am Beispiel von Bahnwärter Thiel

Auch Bahnwärter Thiel leidet unter neurotischen Störungen. Dies wird immer dann deutlich, wenn der Bahnwärter an seinem Arbeitsplatz in Gedanken an seine verstorbene Frau schwelgt. Er zieht sich in seine Traumwelt zurück, in der er auch nicht gestört werden will, was man daran erkennt, dass er innerlich gegen die Ackerpacht am Bahnwärterhäuschen ist. Er ist allerdings nicht in der Lage diese Abneigung offen auszusprechen. Somit geht er den eigentlichen Problemen aus dem Weg. Ein Weiteres wird deutlich, als der Bahnwärter sein Essen zu Hause vergessen hat und noch einmal zurückgeht. Zu Hause angekommen erfährt er, wie seine Frau ihr eigens Kind ihrem Stiefkind Tobias vorzieht. Dieser muss hart im Haushalt arbeiten und sich um sein Geschwisterchen kümmern. Wenn der Frau die Arbeit von Tobias nicht gefällt oder dieser zu lange benötigt, lässt sie es ihn spüren. Anstatt dass der Bahnwärter Tobias hilft und dazwischengeht, nimmt er sein Essen, dreht sich um und verlässt leise das Haus. Er erkennt dieses Problem nicht bzw. geht ihm aus dem Weg und geht seinen gewöhnlichen Aktivitäten, d.h. seiner Arbeit, nach. Ein letztes Beispiel für Thiels Neurosen wird in der letzten Szene deutlich. Der Wut, die der Bahnwärter seiner Frau gegenüber empfindet, lässt er freien Lauf, indem er sie und das Kind tötet, nachdem Tobias durch einen Unfall gestorben ist.

In diesen beiden Szenen wird die psychische Erkrankung des Bahnwärters sichtbar.