Lehrer-Schüler-Literatur-Sammlung

"Nicht nur Latein und Lügen"

"An mir hat die Schule viel kaputt gemacht", schrieb der Dichter Hermann Hesse, "und ich kenne wenig bedeutende Persönlichkeiten, denen es nicht ähnlich ging. Gelernt habe ich dort nur Latein und Lügen..." Zum Glück trifft das nicht für alle Schriftsteller zu. Es gibt jedenfalls eine riesige Menge von Büchern und Filmen, in denen die Schule der Handlungsort und Lehrer und Schüler die Hauptpersonen sind. Vor fast zwanzig Jahren haben wir am Ratsgymnasium ein Buch mit dem Titel "Nicht nur Latein und Lügen - Schüler und Lehrer in der deutschen Literatur" herausgegeben, in dem viele dieser Texte in Artikeln von Schülerinnen und Schülern vorgestellt wurden. Das Buch ist inzwischen vergriffen. Wir wollen hier im Internet aber aber gern diese Sammlung wieder verwenden und erweitern, allerdings in Kurzform. Die Titel werden in alphabetischer Reihenfolge wiedergegeben. Natürlich sind die Klassiker wieder dabei, "Die Feuerzangenbowle", "Das fliegende Klassenzimmer", "Unterm Rad", "Deutschstunde" usw. Es gibt aber auch relativ unbekannte Krimis oder Hörspiele zu entdecken. Das älteste Buch ist zurzeit "Max und Moritz" ("Lehrer Lämpel"), das neueste Buch ist Judith Schalanskys "Der Hals der Giraffe", das im November 2011 auf Platz 1 der Kritiker-Bestenliste des SWR steht. Die Sammlung wurde freigeschaltet am 1. Dezember 2011, sie wird regelmäßig ergänzt und fortgeführt, sie soll über 100 Titel enthalten. Für Tipps sind wir dankbar. Übrigens: Die "Noten" sind natürlich subjektiv.
                            MANFRED LAUFFS


Titel
(Erscheinungsjahr)
Autor/Regisseur
Beschreibung
"Alle lieben Lehrer. Worte und Bilder"
(1998)
Günter Willen (Hrsg.)
 
"An diesem Dienstag"
(1947)
Wolfgang Borchert
In den acht Szenen dieser Kurzgeschichte, die während des 2. Weltkriegs spielt, werden deutsche Heimat und russische Front einander gegenübergestellt. Die Lehrer unterstützen im Unterricht den Krieg und propagieren ein deutsches Heldenideal. Die kleine Ulla lernt, dass man "Krieg" mit "g" schreibt, "wie Grube", merkt aber nicht, dass Grube auch Grab und Tod bedeutet. Borchert übt bittere Kritik an der Schule im Dritten Reich.
Note: 1
"Ansprache zum Schulbeginn"
(1952)
Erich Kästner
Der bekannte Kinderbuchautor gibt den jungen Zuhörern wichtige Ratschläge und erläutert sie, z.B. "Laßt euch die Kindheit nicht austreiben!", "Haltet das Katheder weder für einen Thron noch für eine Kanzel!", "Seid nicht zu fleißig!" und "Mißtraut gelegentlich euren Schulbüchern!" Am Schluss fordert er die Eltern auf: "wenn Sie etwas nicht verstanden haben sollten, fragen Sie Ihre Kinder!"
Note: 1
"Aus der Schule geplaudert. Allerlei Kurioses von Lehrern und Schülern"
(1980)
Hans Fickenscher
Der Autor (Jahrgang 1949) hat sich schon als Schüler einen Zettelkasten angelegt, in dem er alles sammelte, was die Klasse und oft auch die Lehrer zum Lachen brachte: unsterbliche Lehrerworte, misslungene Schülerzitate, gestrenge Anweisungen des Direktors, goldene Worte des Hausmeisters. Ein "Klassenbuch" des zumeist unfreiwilligen Humors. Kostproben gefällig? "Nächste Stunde schreiben wir eine unangekündigte Arbeit." - "Zwischen einer anständigen Fünf und einer ergaunerten Vier tun sich immer moralische Abgründe auf!" - "Ich behielt gestern meinen Michael zu Hause. Er kam mir nicht ganz richtig vor." - "Carola, Sie sitzen da die ganze Stunde wie Pik-Sieben, die an ihren Herz-König denkt."
Ein sehr amüsante Zusammenstellung, nach Schulfächern gegliedert, zwischendurch gibt es immer wieder die Rubrik "Lehrermund".
Note: 1
"Außer Briefe schreiben kann man hier nichts"
(1984)
Peter Goedel und Herbert Hoven
Tragischer Held dieses Hörspiels ist der fünfzehnjährige Markus. Er ist wegen "Verhaltensauffälligkeit" in eine Nervenheilanstalt eingewiesen worden und betreibt in einem Brief an seine Freundin Susi Ursachenforschung. Was ist geschehen? Markus leidet unter der ständigen Bevormundung durch seine Mutter und seinen autoritären Stiefvater. Die schulischen Leistungen lassen zu wünschen übrig. Durch einen provokanten Artikel in der Schülerzeitung bringt er das konservative Kollegium gegen sich auf. Im Unterricht wird er übersehen oder ständig aufgerufen. Als er sich lautstark beklagt, bricht sein Englischlehrer die Stunde ab. Ein Schulspychologe plädiert für eine Trennung von den Eltern und für mehr Verständnis auf Seiten der Lehrer. Die berufen sich aber darauf, man habe doch alles probiert, Markus sei "nicht zu helfen". Als er bissige Lehrerkarikaturen im Schulgebäude aufhängt, ist das Maß voll: Er fliegt von der Schule. Zu Hause schließt er sich stundenlang in seinem Zimmer ein, dann kommt der Krankenwagen... Zwischen den Rückblenden auf die letzten Wochen schildert der Erzähler immer wieder die erschütternden Erfahrungen, die er in der Psychiatrie macht. Wer ist schuld an der Entwicklung? In dieser Geschichte haben offensichtlich Schule und Elternhaus versagt, und sie ist leider kein Einzelfall. Ein Hörspiel (WDR), das unter die Haut geht.
Note: 1
"Becks letzter Sommer"
(2008)
Benedict Wells
Solange wir das Buch noch nicht gelesen haben, zitieren wir hier die Kurzbeschreibung des Verlags: "Ein liebeskranker Lehrer, ein ausgeflippter Deutschafrikaner und ein musikalisches Wunderkind aus Litauen auf dem Trip ihres Lebens, von München durch Osteuropa nach Istanbul. Unter den Fittichen eines alternden Rockstars und seiner unsterblichen Songs. Ein Roman über die Musik, die Liebe und das Leben - schräg, witzig, weise und berührend. Das Debüt eines dreiundzwanzigjährigen Autors." In der Kritik von Volker Hage im SPIEGEL (47/2008) heißt es: "Großartig auch, wie er den Lehrer Beck als tragische Figur porträtiert und dessen verkorkstes Alltags- und Liebesleben zeichnet - und ihn am Ende ohne Mitleid als Opfer der eigenen Begeisterung für Rauli (= Schüler) dastehen lässt."
"Blut ist dunkler als rote Tinte"
(1970)
Hansjörg Martin
Was sich in einem kleinen Städtchen namens Wallbach hinter den Mauern eines ganz normalen Gymnasiums abspielen kann, stellt Hansjörg Martin in seinem humorvollen und spannenden Krimi dar. Kitty Boll, Sport- und Erdkundelehrerin, findet in der Turnhalle eine Leiche, eingerollt in eine Judomatte: Es ist die von Thea Neulitz, die ebenfalls am Franz-Liszt-Gymnasium unterrichtete. Das Verschwinden des Sextaners Helmut Vorrath steht in Zusammenhang mit dem Tod der Kollegin. Zwei Tage später ist der Fall mit seinen Geheimnissen aufgeklärt. In der Zwischenzeit hat der Leser Gelegenheit, die verschiedenen Lehrertypen kennenzulernen: Oberstudiendirektor Linke, Kavalier alter Schule mit antiquierten Idealvorstellungen von Jugend und Erziehung, die in die Gegenwart passen "wie ein handgeschnitztes eichenes Vertiko in eine Weltraumkapsel", dann Dr. Jennewein, den zweiten in der Hierarchie ("Bügelfalten zum Brotschneiden"). Als dritter gehört Dr. Brobiel zum "alten Eisen", er weiß angeblich "mehr von alten Römern als von jungen Menschen". Diesen älteren "Prinzipienjägern" stehen die jungen, mutigen und "menschlichen " Lehrertypen wie Franz Zwicknagel oder Kitty gegenüber, bei denen aus dem beruflichen Verhältnis am "Liszt-und-Tücke-Gymnasium" ein "Verhältnis" wird.
Note: 2+
"Chill mal, Frau Freitag! Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin"
(2011)
Frau Freitag
 
"Daniel, der Gerechte"
(1954)
Heinrich Böll
In der Kurzgeschichte des späteren Nobelpreisträgers, die in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt, entdeckt der Gymnasialdirektor Daniel Heemke seine Ressentiments gegen Karriere-Erschleicherei durch Beziehungen und will ab sofort nur noch denjenigen die Aufnahme am Gymnasium ermöglichen, die begabt sind und durch eigene Arbeit weiterkommen wollen, nicht mehr denen, die es sich durch Beziehungen zu ihm leicht machen wollen. Ein kritisches Bild der Schule wird entworfen: Es ist deutlich, dass deren "Gerechtigkeit" oft von Beziehungen zwischen Eltern und Lehrern bzw. dem Direktor abhing, die durch "ein Telefongespräch des Vaters" oder "ein Lächeln der Mutter" aufrechterhalten wurden. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, Aufnahmeprüfungen am Gymnasium gibt es schon lange nicht mehr, aber aktuell an dem Text ist sicher die Problematik der Subjektivität bei der Bewertung von Schülerleistungen.
Note: 2
"Dannys Traum"
(1975)
Hans Frick
 
"Das fliegende Klassenzimmer"
(1933)
Erich Kästner
In seinem berühmten Kinderbuch berichtet Erich Kästner vom Alltag in einem Internat kurz vor den Weihnachtsferien, denn er möchte diesmal eine "regelrechte Weihnachtsgeschichte" schreiben. Im Mittelpunkt steht das Theaterstück "Das fliegende Klassenzimmer", das der Tertianer Johnny verfasst hat. In dieser Utopie wird der "Schulbetrieb der Zukunft" gezeigt: Ein Lehrer fliegt mit seiner Klasse los, um in verschiedenen Ländern den Erdkundeunterricht direkt vor Ort abzuhalten. "Der Unterricht wird zum Lokaltermin!" (Heute spricht man von den "außerschulischen Lernorten".) Nebenbei läuft der normale Schulbetrieb weiter. Jeder der Schüler hat seine kleinen Sorgen und Probleme. Sie finden alle Verständnis und Unterstützung bei ihrem geliebten Haus- und Klassenlehrer Dr. Bökh, genannt "Justus", der selbst an dieser Schule Schüler war und seine Kindheitserinnerungen an seine Zöglinge weitergibt. Diese bringen ihn mit einem lange verschollenen Freund, dem "Nichtraucher", wieder zusammen. Alle Probleme werden glücklich gelöst, und die Schüler fahren befreit in die Ferien.
Der Autor zeichnet ein positives, humanes Bild von der Schule, und Generationen von Lesern haben dieses Buch liebgewonnen. Nicht zuletzt, weil es den Wert von Freundschaft, Mut und Zivilcourage betont. Und weil es ein Loblied auf die Kindheit ist: "Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch!" Das Buch wurde mehrfach erfolgreich verfilmt: 1954, 1973 und 2003.
Note: 1
"Das fröhliche Lehrerhasserbuch"
(1990)
Norbert Galluch/Stano Kochan
 
"Das Lehrerhasser-Buch. Eine Mutter rechnet ab"
(2005)
Lotte Kühn
 
"Das schweigende Klassenzimmer"
(2006)
Dietrich Garstka
Der Autor war zu Besuch im Ratsgymnasium und hat aus seiner Schulzeit erzählt: eine Geschichte über Mut, Zusammenhalt und den Kalten Krieg. Seine damalige Schulklasse, 12. Jahrgang, legt am 1.11.1956 in der DDR fünf Schweigeminuten für die Opfer des Ungarnaufstands ein und wird drangsaliert. Der Volksbildungsminister kommt höchstpersönlich in die Schule und fordert die Klasse auf, den "Rädelsführer" dieser "konterrevolutionären" Aktion zu nennen. Die Genossen "schlügen zu, wenn der Klassenfeind glaube, den teuer erkämpften Sozialismus kaputt machen zu können". Doch die Klasse schweigt eisern, wird vom Abitur ausgeschlossen, flieht in den Westen und macht dort - in Bensheim in der Nähe von Heidelberg - das Abitur. 40 Jahre nach dem November 1956 gibt es ein Klassentreffen. Das Buch ist sachlich geschrieben und enthält viele Originaldokumente, verbirgt aber nicht die - immer nachvollziehbaren - Emotionen des inzwischen über 70-jährigen Autors.
Note: 1
"Das Glasperlenspiel"
(1943)
Hermann Hesse
 
"Das Haus in Montevideo"
(1951)
Curt Goetz
 
"Das Internat"
(1974)
Hugo Dittberner
 
"Das vorläufige Leben"
(1984)
Klaus Sandler
Praxisschock und Illusionsverlust des österreichischen Junglehrers Daniel sind Hauptthemen des Romans. Die Schule ist Daniels "Löwengrube": Durch seine fortschrittliche Unterrichtsmethode macht er sich bei Schulleitung und Kollegen unbeliebt. Gehaltskürzung und Versetzung werden ihm angedroht. Auf einem Spaziergang fällt ihm der Satz ein: "Ich will aufhören, gescheit zu sein", der ihn von nun an begleitet. Die Berufskrise wird zur Lebenskrise, die auch seine Ehe belastet. Berufswechsel? Journalist käme in Frage, aber Daniel hat kein Talent zum Schreiben journalistischer Texte. Er besucht einige Freunde, aber diese "Gebetsmühlendichter" und "Blödler" können wegen ihrer parasitären Teilnahmeverweigerung auch keine Vorbilder sein. Daniel darf nach seiner Versetzung wieder an die alte Schule zurück. Wie der "hoffnungslose Utopist" im "jahrzehntelangen Beamtenknast" seinen Weg zwischen Anpassung und Revolte finden wird, bleibt offen.
Der Roman überzeugt, wenn Daniel zynisch die politischen Verhältnisse aufs Korn nimmt. Insgesamt aber ist das Buch zäh, monoton und langweilig. Es trieft von bierernster Wehleidigkeit und lässt jeglichen Anflug von Humor vermissen.
Note: 4
"Das weiße Band"
(2009)
Michael Haneke (Regie)
Der Schwarz-weiß-Film spielt in einer Dorfschule im Kaiserreich. Ein sittenstrenger Pastor züchtigt die Schüler und lässt sie wochenlang als Ermahnung zur ständigen Tugendhaftigkeit ein weißes Band tragen. Daniel Kothenschulte nannte den Film in der Frankfurter Rundschau ironisierend ein Lehrstück, das sich „früh zu erkennen“ gibt: „Zwei Jahrzehnte später wären diese bösen Kinder erwachsene Nazis“ und bemängelt die Holzschnittartigkeit der wenigen Figuren, spricht aber dennoch von „faszinierenden zweieinhalb Stunden“.
"Demian"
(1917)
Hermann Hesse
 
"Der Abituriententag"
(1928)
Franz Werfel
 
"Der Aufsteiger"
(1978)
Wolfgang Gabel
 
"Der Besuch im Karzer"
(1875)
Ernst Eckstein
Köstliche Humoreske über den autoritären Schuldirektor Dr. Samuel Heinzerling, der sich vom Primaner Rumpf in den Karzer (Arrestzelle) sperren lässt. Der Hausmeister glaubt, in der Zelle sitze der Primaner, der den Direktor nur schamlos in seiner Sprechweise imitiere. Von Heinzerlings Sprechweise lebt der Text insbesondere: "Äch dolde keine Wäderräde!" (ä = i oder e).
Note: 1
"Der Club der toten Dichter"
(1989)
Peter Weir (Regie)
 
"Der erste Schultag"
(1889)
Arno Holz
 
"Der Hals der Giraffe"
(2011)
Judith Schalansky
Die Biologielehrerin Inge Lohmark, tätig in einer von der Schließung bedrohten Schule in Vorpommern, betrachtet die ganze Welt nur "biologistisch": eine Schülerin ist "unauffällig wie Unkraut", eine andere "dumpfes Duldungstier". Doch die Haltung dieser Darwinistin gerät ins Wanken. Laut SPIEGEL ein "traumhaft schöner Text". Steht im November 2011 auf Platz 1 der Bestenliste des SWR.
Note: 2+
"Der Kampf der Tertia"
(1927)
Wilhelm Speyer
Ein Jugendbuch aus der Weimarer Republik. Zum Inhalt: Wegen einer angeblichen Tollwutseuche sollen freilaufende Hunde erschossen und Katzen zum Totschlagen zur Kiesgrube gebracht werden. Für jedes tote Tier bekommt der Überbringer 10 Pfennig. Die Tertia (=Klasse 8) eines Landschulinternats möchte das nicht hinnehmen und hängt Plakate auf mit der Aufschrift: „Seid gut zu den Tieren“.
Der Kampf der Tertia findet wirklich statt, und zwar gegen die Jungen aus der Stadt, die so genannten “Knötzingianer”, die die Rettung der Katzen verhindern wollen. Dabei tut sich besonders Daniela, die Bogenschützin, hervor. Nachdem alle Tiere gerettet sind, stellt sich heraus, dass es gar keine Tollwut gegeben hat.
Erfreulich der soziale Zusammenhalt der Klasse: “ Wer in irgendeinem Fache bewandert war, hatte die Verpflichtung, den Zurückgebliebenen Nachhilfeunterricht zu erteilen. Die Begabten, die nur während eines Bruchteils der Arbeitsstunde mit ihren Aufgaben beschäftigt waren, hatten die Pflicht, sich denjenigen sogleich zur Verfügung zu stellen, die ihre Studien noch nicht beendigt hatten.”
Insgesamt wirkt der Jugendroman inhaltlich und sprachlich aber recht angestaubt und wird wohl kaum einen Schüler zum Lesen verleiten.
Note: 3-
"Der Klassenaufsatz"
(1953)
Erwin Wickert
 
"Der Mörder schwänzt den Unterricht. Schul-Krimis"
(1994)
Leo P. Ard (Hrsg.)
 
"Der Musterknabe"
(1963)
Werner Jacobs (Regie)
„Traurig, traurig, traurig!“ ist der Lieblingsausdruck des Schuldirektors (Theo Lingen) in diesem fröhlichen österreichischen Schwarz-weiß-Film aus dem Jahre 1963. „Traurig“ sind z.B. die Leistungen des Schülers Benno Geyer (Wolfgang Jansen), um den sich sein Bruder, der erfolgreiche Firmenchef Dr. Fritz Geyer (Peter Alexander), große Sorgen macht. Denn Benno ist bereits zweimal durchs Abitur gefallen und hat auch bei seinem dritten Versuch panische Prüfungsangst. Deshalb meldet sich Fritz bei einem anderen Gymnasium der Stadt an, um dort unter Bennos Namen das Abitur zu machen. Jetzt muss er ein Doppelleben als Unternehmer und Schüler führen, was zu allerhand Verwicklungen führt, zumal er sich auch noch in die Schülerin Reny Pacher (Cornelia Froboess) verliebt. Die hält zunächst aber gar nichts von ihm – wie die ganze Klasse –, da er sich als Streber und „Musterknabe“ aufspielt. Um Reny zu imponieren, denkt er sich einige Streiche aus. Fritz versagt beim Abitur, Benno aber schafft die Prüfung.
Der „Film-Dienst“ kritisierte: „Klamaukhafte, anspruchslose Unterhaltung.“ Die Zeitschrift „Gong“ hingegen meinte: „Turbulentes Filmlustspiel, dessen Grundeinfall dem mehrmals verfilmten Erfolgsroman 'Die Feuerzangenbowle' deutlich nachempfunden ist.“ Zwei Filmausschnitte gibt es bei youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=rL1zO5qP2lM
und
http://www.youtube.com/watch?v=pMixBGBr_MM
Note: 2+
"Der Musterschüler"
(1965)
Gustav Hammacher
 
"Der Pauker"
(1958)
M.Haller/C.Flatow/E.Hachfeld
"Eine Art Musterschüler unter den Lehrern" - so wird der Studienrat Dr. Hermann Seidel von einem seiner Kollegen charakterisiert - eine Glanzrolle für Heinz Rühmann in diesem unterhaltsamen Spielfilm aus der Epoche des deutschen Wirtschaftswunders. Seidel wird vom Oberschulrat probeweise für ein halbes Jahr in eine Großstadtschule versetzt, wo er es mit einer außer Rand und Band geratenen Klasse zu tun bekommt, die eher in eine Erziehungsanstalt gehört. Seidel muss es auch noch mit Harry Engelmann (Klaus Löwitsch) aufnehmen, einem bösartigen Halbstarken, der wegen verschiedener Delikte von der Schule geflogen ist. Mit seinem Zimmernachbarn, dem Ringer Freddy Blei (herrlich: Gert Fröbe), macht Seidel einen Deal: Deutschunterricht gegen Griffe und Tricks beim Catchen. Mit seinem Sieg im Kampf gegen Engelmann beeindruckt Seidel seine Schüler, die sich von ihrem Anführer abwenden. Ein letzter Racheakt wird noch von Engelmann geplant: ein mit Absicht herbeigeführter Autounfall. Seidel wird dafür verantwortlich gemacht, dann vom Dienst suspendiert, bekommt aber noch eine letzte Chance: seine Klasse muss sich einer Prüfung vorm Oberschulrat unterziehen. Dabei zeigen sich die ehemaligen Rabauken als fleißige, brave Schüler. Seidel darf bleiben.
Der Film zeigt eine Lehrerpersönlichkeit mit neuen Methoden, mit Verständnis für die Schüler und ihre außerschulischen Interessen. Der "Pauker" hat - wie er selbst behauptet - eine Menge von seinen Schülern gelernt.
Der Film ist in sechs Teilen vollständig auf youtube zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=3pPJCOnTJkU
Note: 1
"Der Pauker schläft im falschen Bett"
(1969)
Werner Raith
Ein schüchterner Junglehrer sieht sich unvermutet in die oberen Klassen eines Mädchengymnasiums versetzt und soll dort Mathematik unterrichten. Weibliche List spannt immer wieder Stolperdrähte, und dies in einer Zeit der Miniröcke, Lidschatten und Sportcoupés. Ein Paukerbuch mit heiter-ironischen Pointen.
Note: 1
"Der Schüler Gerber"
(1930)
Friedrich Torberg
 
"Der Tod hat hitzefrei"
(1972)
Irene Rodrian
 
"Der Vater eines Mörders"
(1980)
Alfred Andersch
 
"Der vergnügte Professor. Erinnerungen an meine Schulzeit"
(1980)
Fritz Müller-Partenkirchen
 
"Deutsche Schulzeit. Erinnerungen und Erzählungen aus drei Jahrhunderten"
(1979)
Martin Gregor-Dellin (Hrsg.)
 
"Deutschstunde"
(1968)
Siegfried Lenz
Der 21-jährige Siggi Jepsen soll im Heim für "Schwererziehbare" einen Aufsatz über "Die Freuden der Pflicht" schreiben. Stattdessen berichtet er über die Zeit im Dritten Reich, als sein Vater, der Polizist Jens Ole Jepsen, das Malverbot für den als "entartet" geltenden Maler Nansen (steht für Emil Nolde) überwacht und dessen Bilder konfisziert bzw. zerstört - auch nach dem Zusammenbruch. Siggi hingegen betätigt sich als "Retter" der Bilder und wird deshalb wegen Kunstraubs belangt. Eine faszinierende Deutsch- und Geschichtsstunde für den Leser.
Note: 1
"Die Abschlußfeier"
(1972)
Hans-Georg Noack
 
"Die Aula"
(1966)
Hermann Kant
Mit einem Zitat von Heinrich Heine leitet Hermann Kant seinen Roman „Die Aula“ ein: „Der heutige Tag ist / ein Resultat des gestrigen. / Was dieser gewollt hat, / müssen wir erforschen, / wenn wir zu wissen wünschen, / was jener will." Den Rahmen der Erzählung bildet der Auftrag der Universitätsleitung an Robert Iswall, einen Ehemaligen, der einer der ersten Studenten an der Universität gewesen ist, zu einer Abschlussfeier des laufenden Semesters eine Rede zu halten. Diese Rede nimmt Iswall zum Anlass, Bilanz zu ziehen über seinen eigenen Werdegang und den der Gesellschaft der DDR. Kant gelingt es, ein Bild aus der Sicht eines DDR-Bürgers auf die Anfänge des Arbeiter- und Bauernstaates zu zeichnen. Das Bild ist stark geprägt von eigenen Erfahrungen des Autors, zahlreiche Daten aus Kants Biographie weisen Ähnlichkeiten mit denen von Romanheld Iswall auf. Ein wichtiger Roman über die Anfänge des anderen deutschen Staates, nach dessen Lektüre man sein Ende auch besser versteht.
Note: 2 (Brü)
"Die Brücke"
(1958)
Manfred Gregor
 
"Die Feuerzangenbowle"
(1935)
Heinrich Spoerl
 
"Die Geschwister Oppermann"
(1933)
Lion Feuchtwanger
 
"Die Klassen-Elf will Meister werden"
(1958)
Gerd Lobin
In diesem Jugendbuch verliert die Klassen-Fußballmannschaft das Endspiel, dafür erzielt ihr Lehrer Lauter, der unter Sepp Herberger in der deutschen Nationalmannschaft spielt, das Ausgleichstor gegen Angstgegner England. Der junge Leser soll lernen, dass man
im Leben Niederlagen verarbeiten muss und dass gemeinsam spielen wichtiger ist als gewinnen. Lieblingsbuch unseres Schuldezernenten Rainer Weichelt, er hat es im LiteRATScafé (November 2011) vorgestellt.
Note: 1
"Die Knilche von der letzten Bank. Aus Kindermund und Pennälerheften"
(1965)
Jean-Charles
 
"Dienstag ist Äquator. Galetti, der Klassiker der Kathederblüte"
(1953)
Arthur Hübscher (Hrsg.)
 
"Die Kunst, Lehrer zu ärgern"
(1969)
Hermann Schiefer
 
"Die Lehrerin"
(2011)
Tim Drageser (Regie)
ZDF-Film. "Reifen im Schatten der Katastrophe: In dem TV-Drama "Die Lehrerin" zückt ein gemobbter Schüler das Gewehr - und eine Pädagogin muss nach dem Amoklauf mit den Folgen leben. Weil Schauspielerin Anna Loos das so still und mit viel Gespür für ihre Heldin tut, erlebt man höchste Fernsehkunst." (DER SPIEGEL)
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,781931,00.html
"Die Lehrerin stellt nachts Zettel her. Kinder über Schule, Zeugnisse und Kaugummiverbot"
(2011)
 
"Die Schande"
(1980)
Gudrun Brug
Die 13-jährige Til Thorn ist Außenseiterin in ihrer wohlanständigen Familie und und bereitet Eltern, Geschwistern und Lehrern nur Kummer. Ihr Nachhilfelehrer, Schüler Richard Brandenberg, wird ermordet aufgefunden. Später stellt sich heraus: Dr. Noske, der Schulleiter war Besitzer eines Nachtclubs, in dem Til arbeitete. Der Mörder ist der Deutschlehrer, der selbst Stammgast im Nachtclub war. Die Hauptperson bleibt unglaubwürdig, man versteht nicht, warum sie der Polizei nicht die Wahrheit sagt, das Buch wird immer abstruser. Passendes Zitat: "Das Thema ist verfehlt. Der Leser kommt alles andere als auf seine Kosten."
Note: 4
"Die schönsten Schulgeschichten"
(1990)
Hannelore Westhoff (Hrsg.)
Sammlung von 38 Geschichten bekannter Jugendbuchautoren (Jo Pestum, Willi Fährmann, Peter Härtling, Gudrun Pausewang u.a.)
Note: 1
"Die Schule wird von einem Reaktor geleitet. Professor Mammuts neueste Stilblüten""
(1985)
"Ein guter Lehrer sucht stets den Monolog mit der Jugend." Oder: "Es gab auf einmal einen wüsten Zusammenstoß. Fred ist noch mit einem blauen Auge am Hinterkopf weggekommen". Oder: "Neulich besuchte uns Onkel Hildebold. Er ist immer sehr traurig und sagt, aus ihm ist nichts geworden, weil er eine schwer erziehbare Mutter gehabt hat." Von dieser Sorte Stiblüten enthält das Taschenbuch einige hundert. Köstlich! "Wenn auch dieses Büchlein Ihnen ab und zu eine Lachsalve entlockt, hat es seinen Zweck erfüllt." (Vorwort) Auf jeden Fall!
Note: 1
"Die Unberatenen"
(1963)
Thomas Valentin
 
"Die Verwirrungen des Zöglings Törleß"
(1906)
Robert Musil
Als 1906 bei einem kleinen Verlag im westfälischen Minden der Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ des bis dato unbekannten, gerade mal 26 Jahre alten Autors Robert Musil erschien, blieb die Sensation aus: Ihm war zunächst kein großes Publikum beschieden. Erst später, als sich Musil einen großen Ruf erschrieben hatte, wurde sein Debüt-Roman wiederentdeckt und in immer neuen Auflagen verbreitet. 2009/10 gehörte der Roman zum verbindlichen Kanon im Zentralabitur NRW.
Der Roman verbindet die Beschreibung der Strenge und des Elends in den Erziehungsanstalten am Anfang des 20. Jahrhunderts sowie der pubertären Erlebnisse und der Identitätskrise eines Heranwachsenden, der seine Schulzeit in einem Provinzinternat verbringen muss, mit der Kritik an der autoritären Gesellschaftsstruktur der k. u. k. Monarchie. Der Österreicher Musil selbst hatte Erfahrungen mit diesen Anstalten – er musste die “K.-u.-K. Kadettenanstalt“ in Mährisch-Weißkirchen besuchen, die er in einer für ihn außergewöhnlich derben Wortwahl lange danach als “Arschloch des Teufels“ bezeichnete. Dort lernte Musil jene Mischung aus Sadismus und Disziplinierung kennen, die im “Törleß“ eine große Rolle spielt.
Musil zeichnet neben der „Interpretation jugendlichen Wachstums […] zugleich das Bild kommender Diktatur und der Vergewaltigung des einzelnen durch das System visionär vor“ (Klappentext der Rowohlt-Taschenbuchausgabe). Musil selbst hat später einmal überlegt, ob er nicht in Beineberg und Reiting (Freunde Törleß‘) jene Charaktere vorweggenommen habe, die später dem Dritten Reich zugearbeitet haben.
Note: 2 (Brü)
"Die Welle"
(1981)
Morton Rhue
 
"Die wunderbaren Jahre"
(1976)
Reiner Kunze
 
"Du kommst auch drin vor"
(1990)
Hanns Dieter Hüsch
In seinen Lebenserinnerungen schildert der bekannte Kabarettist auch seine Schulzeit: Er hat nur mit Mühe das Abitur erreicht. In Mathematik waren seine phantasievollen Lösungen oft falsch, aber er brachte seine Mitschüler damit zum Lachen. Er erlebte mit, wie ein jüdischer Mitschüler von Primanern unmringt, beschimpft und bespuckt wurde. "Ich weiß heute, dass Humanismus eine feine Sache ist, aber dafür muss man kein Gymnasium besuchen."
Note: 1
"Echt Schule!! Ein heiteres Lesebuch mit Pfiff"
(1981)
Hans Err (Hrsg.)
Sammlung von 36 Texten: Geschichten, Romanauszügen (z.B. aus der "Feuerzangenbowle"), Stilblüten, Erinnerungen, Bildgeschichten (W. Busch) u.a. Enthält zahlreiche Karikaturen und Comic Strips ("Peanuts").
Note: 1
"Eifel"
(1983)
Walter Schenker
 
"Eine gewisse Zeit im Jahr"
(1985)
Nortrud Boge-Erli
 
"Einen Lehrer liebt man nicht"
(1991)
Brigitte Blobel
 
"Ein fliehendes Pferd"
(1978)
Martin Walser
Traditionellerweise verbringen Studienrat Helmut Halm und seine Frau Sabine die Sommerferien am Bodensee. Dort treffen sie Helmuts vergessenen Jugend- und Schulfreund Klaus Buch wieder, der sich wie eine Klette an sie heftet. Mit seiner jungen Frau Helene verkörpert Klaus alle ungelebten Träume des misanthropischen Helmut. Die beiden Männer haben einen ganz unterschiedlichen Lebensweg hinter sich. Während der Gymnasiallehrer Helmut Halm sich mit seiner Ehefrau Sabine von der Welt zurückgezogen hat, jagt der Journalist Klaus Buch dem Erfolg und der gesellschaftlichen Anerkennung hinterher und sucht die Selbstbestätigung auch bei seiner deutlich jüngeren Frau Hel. Im Lauf der Novelle werden beide Lebenseinstellungen in Frage gestellt. Ihren Höhepunkt findet die Auseinandersetzung der Schulfreunde in einem Segeltörn auf dem stürmischen Bodensee, bei dem Klaus Buch über Bord geht.
Handlungsträger der Walser-Novelle (laut Marcel Reich-Ranicki ein „Glanzstück deutscher Prosa“) sind Menschen in der midlife-crisis. Das gilt besonders für die Männer Helmut und Klaus. Walser, der selbst in Wasserburg am Bodensee lebt, befindet sich als Autor zur Entstehungszeit der Novelle ebenfalls in dem für die Krise typischem Alter zwischen 45. und 65. Lebensjahr.
Durch das Alter verursachte Verunsicherungen sucht Klaus Buch durch die zweite Ehe zu kompensieren. Seine jüngere Ehepartnerin nimmt er als Maßstab für seine Vitalität und Jugendlichkeit. Seine eigene Unsicherheit zeigt sich aber in der Tendenz, Helene in Situationen zu manövrieren, in denen er ihr überlegen ist.
Helmut Halms Minderwertigkeitsgefühle, für welche die sexuelle Versagensangst an erster Stelle steht, werden durch den völligen Rückzug aus der Gesellschaft beantwortet. Sein Äußeres empfindet der Gymnasiallehrer als wenig attraktiv, akzeptiert es aber soweit, wie es seinen neuen Lebensstil des Rückzugs unterstützt.
In einem Interview wies Walser selbst darauf hin, dass beide Männer unterschiedliche Konflikte einer Person ausdrücken können, d. h. dass Menschen und ganz besonders Männer im mittleren Alter eine Krise durchleben, die zu Veränderungen oder zu verstärkten Anpassungen führen kann. Klaus Buch verändert sein Leben durch Trennung von der ersten Ehepartnerin und aktive Anpassung an moderne Strömungen und Normen. Helmut Halm versucht, den Zwängen und Normen der Gesellschaft durch passive Anpassung und Rückzug zu entgehen.
Letztlich kann man sich wohl dem Urteil von Achim Ayren anschließenden, dass „diese Geschichte zu dem gehören könnte, das einmal übrigbleibt von einem Jahrhundert“.
Martin Walsers Bestseller-Novelle findet ihre kongeniale filmische Umsetzung in Rainer Kaufmanns präzisem, fast kammerspielartigem, gleichnamigem Vier-Personen-Drama mit Ulrich Tukur, Ulrich Noethen, Katja Riemann, Petra Schmidt-Schaller (2007).
Note: 1- (Brü)
"Ein unmöglicher Lehrer"
(1993)
Rolf Silber (Regie)
Fernsehfilm. Robby (Sebastian Koch) hat sein Lehramtsstudium vorzeitig abgebrochen und arbeitet als Taxifahrer. Als sein Bruder für eine neue Liebe nach Neuseeland auswandert, tritt Robby dessen Referendarsstelle an. Seine modernen und schülernahen Methoden machen ihn zum Schülerliebling. Das gefällt dem Kollegium weniger, nur Sportlehrerin Clara (Nicole A. Spiekermann) mag ihn und macht damit Fachleiter Killing (Rudolf Kowalski) eifersüchtig. Etwas klischeehafte, aber flotte und fröhliche moderne Version der "Feuerzangenbowle". Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=TxhhbwEGVoc
Note: 2+
"Elternsprechtag: Wie schlimm ist Schule wirklich? Was Eltern, Schüler und Lehrer täglich erleben"
(2006)
Gerlinde Unverzagt
Untertitel: Das Lehrerhasser-Buch und die Folgen
"Es hat geschellt. Eine Auswahl der besten Schulgeschichten"
(o.J.)
Fritz Fröhling (Hrsg.)
 
"Fön mich nicht zu. Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer"
(2010)
Stephan Serin
 
"Freiwild. Die Odenwaldschule - Ein Lehrstück von Opfern und Tätern"
(2011)
Tilman Jens
Jens, Sohn des berühmten Rhetorikprofessors Walter Jens und selbst früher Odenwald-Schüler, hat viele Zeugen - Opfer, Täter, ehemalige Mitschüler - befragt und schildert sachlich, aber engagiert die zahlreichen Mißbrauchsverbrechen, die in erster Linie vom damaligen charismatischen Schulleiter Gerold Becker (2010 verstorben) und seinem Kumpanen Held begangen wurden. Das "Paradies", das Vorzeigeinternat der Reformpädagogik, wandelte sich zur "Hölle". Jens meint mit "Freiwild" aber auch diejenigen Lehrer, die nun in einer Art Hexenjagd zu Unrecht beschuldigt wurden. Befremdlich ist allerdings, dass Jens im Zusammenhang mit Beckers Untaten von "Tragik" spricht - wo dieser sich doch frei entschieden hat. Ein Interview mit Tilman Jens zu seinem Buch findet sich hier: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1459611/
Note: 1-
"Frühlings Erwachen"
(1890)
Frank Wedekind
 
"Generation Doof: Wir blöd sind wir eigentlich?"
(2010)
Stefan Bonner/Anne Weiss
 
"Große Pause! Nachdenken über Schule"
(2002)
Marga Bayerwaltes
Mit 50 Jahren, nach 25 Jahren Berufstätigkeit hat die Autorin genug vom Schulalltag. "Mein Unterricht bringt überhaupt nichts", meint sie und nimmt ein Sabbatjahr, um über ihre "persönliche Bildungskatastrophe" (Patrick Fischer, amazon) nachzudenken. Warum macht Schule krank? Die einst "von pädagogischem Eros erfüllte" und nun körperlich und seelisch erschöpfte Lehrerin findet viele Gründe: den gesellschaftlichen Wandel, die lernunwilligen Schüler, die die "Iphigenie" nicht mehr verstehen, die jährlich wechselnden Reformen, der Terror der Bürokratie, die eigenen zu hoch geschraubten Erwartungen. Persönliche Erfahrungen werden mit analytischen Betrachtungen kombiniert. Was müsste sich ändern, wenn sie nach der "großen Pause" zurückkehrt? Helle Gebäude, mehr musische Elemente, selbstständige Schulen, eigenverantwortliche, nicht verbeamtete Lehrer, weniger Notendruck, aber dennoch deutliche Leistungsanforderungen. Die Autorin schlägt auch vor, dass nur Deutsch in der Schule gesprochen wird, damit z.B. türkische Schüler ihre Lehrerin nicht auf Türkisch beleidigen können.
Für Lehrerinnen und Lehrer hat das genaue, selbstironische und witzige Buch einen hohen Wiedererkennungswert. Aber auch die Kollegen werden kritisch gesehen, so wenn die Autorin schreibt: "Die Referendare, die ich in den letzten Jahren erlebt habe, waren leider nur allzu oft ängstliche Spießer und intellektuelle Langeweiler."
Was will Bayerwaltes mit ihrem Buch bezwecken? „Es geht mir darum, die Menschen zu erreichen, ob sie nun schulpflichtige Kinder haben oder Lehrer sind oder nicht (...) Am allerliebsten möchte ich erreichen, dass die ganze Welt einmal für fünf Minuten ihre Geschäfte unterbricht und über nichts anderes als über Kinder und Schulen spricht, und zwar anders als bisher darüber spricht (...), aber ich würde gern ein paar Sehnsüchte wecken, die Sehnsucht nach einem guten Leben, besonders nach einem guten Kinderleben, und die Sehnsucht nach guten Schulen und guten Lehrern, die mehr sein wollen als bloß Manager in einem Zulieferbetrieb." Es bleibt die Hoffnung auf Besserung. Eine Utopie?
Note: 2+
"Half Nelson" In diesem Film versucht Dan Dunne (Ryan Gosling), ein junger Geschichtslehrer in New York, seine Schüler vor dem Sumpf aus Drogen und Gewalt zu bewahren. Allerdings stößt er dabei auf Grenzen.
"Hand hoch, wer fehlt! Stilblüten von Lehrern und Schülern"
(1977)
Hans Fickenscher
 
"Hausaufgaben"
(2005)
Jakob Arjouni
 
Hic, haec, hoc. Der Lehrer hat 'nen Stock. Schulgeschichten aus dem Ruhrgebiet."
(2007)
Joachim Wittkowski (Hrsg.)
 
"Hotel 'Zum Deutschunterricht'"
(1978)
Wolf Wondratschek
Dieses achtstrophige Poem aus dem Band "Letzte Gedichte" behauptet, Büchner und Brecht seien aus dem "Hotel" - also dem damals zeitgenössichen Deutschunterricht - vertrieben worden. Ein Zerrbild - die beiden gehörten schon seinerzeit lange zum Lehrstoff.
Note: 4
"Humor rund um die Schule"
(1986)
Hermann-Dietrich Hornschuh (Hrsg.)
Eine humoristische Anthologie über Lehrer, Schüler und Schule. Unter den zahlreichen Autoren und Zeichnern sind Kästner, Busch, Thoma, Spoerl, Heinz Erhardt, Siegfried Lenz und E.O.Plauen.
Note: 1
"Im Westen nichts Neues" (1929)
Erich Maria Remarque
 
"Jonas"
(2012)
Robert Wilde (Regie)
Deutscher Spielfilm mit Christian Ulmen in der Hauptrolle. Unter dem Motto: "Stell dir vor, es ist Schule, und du musst wieder hin!" wandelt der halbdokumentarische Film auf den Spuren der "Feuerzangenbowle": Jonas ist 18 Jahre alt und mehrfacher Sitzenbleiber. Die Brandenburger Gesamtschule Paul-Dessau bietet ihm eine allerletzte Chance auf einen Schulabschluss. Gedreht wurde sechs Wochen an einer echten Schule mit echten Lehrern und echten Schülern. Die mitspielenden Schüler waren aber nicht informiert und glaubten, es handele sich um eine Reality-Show. Der 36-jährige Ulmen wurde in stundenlanger Arbeit durch die Maskenbildner auf "Schüler" getrimmt. Der Trailer ist hier zu sehen:
http://www.jonas-derfilm.de/
"Jugend ohne Gott"
(1937)
Ödön von Horváth
 
"Katz und Maus"
(1961)
Günter Grass
 
"Klassenfahrt"
(1985)
Reinhart Junge
Ruhrgebietskrimi.
"Lausbubengeschichten" (1905)
Ludwig Thoma
 
"Lehrer, die wir hatten"
(1954)
Ernst Heimeran
Heimeran (1902-1955) berichtet von elf Lehrern, mit denen er "zu kämpfen" hatte: "Nun sind sind sie wohl alle in den ewigen Ruhestand versetzt". Der Autor beschreibt die Pädagogen liebevoll und menschlich gerecht mit allen ihren Eigenheiten, Absonderlichkeiten und Schrullen. Mit "Rührung" und "Dankbarkeit" denkt Heimeran an die alten Lehrer zurück, z.B. an den Musiklehrer mit dem Spitznamen "Pianoforte", der den Schülern folgenden Rat gab: "Den Verkehr mit Mädchen aus guten Häusern kann ich nur empfehlen, nicht aber das Herumziehen mit Weibern auf der Straße." Das Buch ist geprägt durch eine fesselnde und anregende Heiterkeit, "das schlechthin charmanteste aller Bücher, die je über Lehrer geschrieben wurden... (es) sind elf Lehrerbildnisse entstanden, jedes ein Kabinettstück für sich." (Friedrich Schuh)
Note: 1
"Lehrerkind. Lebenslänglich Pausenhof"
(2011)
Bastian Bielendorfer
Mutter und Vater sind Lehrer an der eigenen Schule, somit ist an jedem Tag im Jahr Elternsprechtag. Die Mitschüler machen einen zum Daueropfer, und wenn man gute Leistungen bringt, liegt es eben an den "Genen". Mit Selbstironie schildert Bastian Bielendorfer seine Schulzeit. Über den Sportlehrer heißt es etwa: "Turnbeutelvergesser, Beckenrandschwimmer und Blauefleckenhaber hatten in dem abstrusen Mikrokosmos seines Wirkens genauso wenig Platz wie ich, das lebende Plunderteilchen, das durch jede der jährlichen Turnprüfungen mit einer „Rolle vorwärts“ und einer gnädig verhängten „Vier minus minus“ gerutscht war." Bielendorfer ist Poetry-Slammer und angehender Psychologe. Angeblich sind 99% des Buches "wirklich erlebt".
Witzig! Fünf Fragen zu seinem Buch beantwortet der Autor hier: http://www.youtube.com/watch?v=UyqzhXCs4Ww
Note: 1
"Lehrer sein ist cool! Das Anti-Vorurteils-Buch"
(2012)
Peter Butschkow und Gerlinde Heil
 
"Lehrer sind auch nur Menschen"
(2011)
Angelika Marx
 
"Lehrerzimmer"
(2003)
Markus Orths
Studienassessor Kranich, der Ich-Erzähler, hat endlich eine Stelle an einem Göppinger Gymnasium bekommen. Er wird sogleich mit veralteten und verlogenen Verfahrensweisen konfrontiert. Der Direktor nennt die vier Säulen des Schulsystems: "Angst, Jammer, Schein und Lüge.“ Der Roman lebt von satirischer Überspitzung, so wird z.B. "Schwellendidaktik" erklärt mit: Vorbereitung der Stunde in dem Moment, in dem man "über die Schwelle des Klassenzimmers" tritt. Umwerfend komisch die Szene, in der Kranich einen Kollegen trifft, der seit drei Tagen im Medienkeller der Schule übernachtet. Seine Frau hat ihn zu Hause hinausgeworfen, obwohl sexuell "alles im Lot gewesen" sei. Stramm hat den ehelichen Verkehr wie eine Schulstunde aufgezogen: mit mehrfachem "Methodenwechsel", "Übungsteil", "Tafelanschrieb" der Koseworte ("ergebnissichernd") sowie Projektion von Folien mit "geeigneten Stellungen". Das Ganze habe "nie länger als 45 Minuten" gedauert.
Schüler kommen in diesem grotesken Roman eines ehemaligen Lehrers so gut wie gar nicht vor. Der FOCUS schrieb: "Eine urkomische Satire auf den Schulbetrieb, die drastisch vor Augen führt, was Pisa nur theoretisch umschreibt."
Note: 2+
"Lehrprobe. Report aus dem Klassenzimmer"
(1969)
Fritz Weigle
 
"Links, wo das Herz ist"
(1952)
Leonhard Frank
 
"Lustig ist das Lehrerleben. Eine Überlebenshilfe"
(2005)
Norbert Golluch
 
"Max und Moritz"
(1865)
Wilhelm Busch
Deutschlands bekannteste Lausbubengeschichte. Im vierten der sieben Streiche malträtieren Max und Moritz ihren Lehrer Lämpel (= kleines Licht) durch die Explosion seiner Pfeife. Er überlebt, "nur die Pfeife hat ihr Teil". Ironisch schrieb Stefanie Schmidt (Ratsgymnasium), dass die Übeltäter "am Ende der Geschichte erst als Entenfutter wieder resozialisiert" werden. Note: 1
"Meine Schulzeit im Dritten Reich"
(1982)
Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.)
 
"Memoiren eines mittelmäßigen Schülers"
(1950)
Alexander Spoerl
 
"Musstu wissen, weiss du! Neues aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer"
(2012)
Stephan Serin
 
"Örtlich betäubt"
(1969)
Günter Grass
 
"Pennäler contra Pauker. Strategie, Tricks und Abwehr"
(1969)
Jaroslav Zak
 
"Pestalozzis Erben"
(1997)
Friedrich Mahlmann
In vierzig Episoden rechnet der Autor - Schulleiter in Oerlinghausen - satirisch mit faulen, unpünktlichen und unflexiblen Lehrern ab, unter denen seine Alter-Ego-Hauptfigur - Schulleiter Heinrich Kah - leidet. Erster Satz: "Lehrer, das ist kein Beruf, sondern eine Diagnose." Kah reibt sich auf im täglichen Kampf mit Kollegen, Eltern, Schulräten, Kommunalpolitikern. Ein ebenso witziger wie gruseliger Einblick in heutige Gymnasien. Zwei reale Kollegen von Mahlmann glaubten sich im Buch wiederzuerkennen und klagten auf Schmerzensgeld.
Note: 1
"Prima, Prima, Oberprima! Tips für Schüler, Lehrer und leidgeprüfte Eltern."
(1967)
René Goscinny
Der geniale Asterix-Texter präsentiert hier mit gallischem Witz und feiner Ironie in 23 Lektionen eine neue Wissenschaft: die Primanologie. (Die Klasse 13 hieß früher "Oberprima"). Man lernt verschiedene Schülertypen kennen, je nach ihrer Hauptbeschäftigung im Unterricht: die Bastler, Künstler, Zoologen, Vorsager und Schläfer. Das Buch ist auch ein Leitfaden für die Praxis: "Methoden gegen Klassenlärm", "Neue Pausenspiele", "Tips für Entschuldigungsbriefe". Ein Buch für Schüler, Lehrer, Eltern, "kurz für alle Unterdrückten". Die zahlreichen Karikaturen von Cabu sind überaus erheiternd.
Note: 1
"Professor Unrat"
(1905)
Heinrich Mann
 
"Reifezeugnis"
(1974)
Herbert Lichtenfeld
Viel bekannter als das Buch ist seine Verfilmung, die als einer der Höhepunkte der Fernsehreihe "Tatort" (73. Folge, März 1977) gilt. Die siebzehnjährige Sina Wolf (Nastassja Kinski in der Rolle, die sie berühmt machte) ist eine fleißige Gymnasiastin. Sie verliebt sich in ihren Englischlehrer, Studienrat Fichte (Christian Quadflieg), und beginnt ein Verhältnis mit ihm. Ihr eifersüchtiger Klassenkamerad Michael Harms (Markus Boysen) spioniert ihr nach, entdeckt das Lehrer-Schülerin-Verhältnis, will Sina erpressen und wird körperlich zudringlich. Sina gibt scheinbar ihre Hemmungen auf und erschlägt Michael mit einem Stein. Aus Angst belügt sie Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf): Ein "Mann im grünen Anzug" habe sie überfallen, Michael habe ihr helfen wollen und sei dann erschlagen worden. Als zwei andere Schülerinnen von dem Verhältnis erfahren und durch anonyme Anrufe Sinas Selbstbewusstsein zerstören, und als Fichte die Beziehung beenden will, schreibt Sina einen Abschiedsbrief, in dem sie alles gesteht und ankündigt, sich zu ertränken. Sie wird rechtzeitig von der Polizei gefunden. Buch und Film verdeutlichen die Schwierigkeiten, die in der Schule auftreten können. Schule ist eben kein Ort, wo nur kaltes Wissen vermittelt wird, sondern ein Raum, wo Gefühle im Spiele sind: Neid, Liebe, Hass, Zuneigung, Geltungssucht. Ein überaus spannender Krimi! Der Film ist in 15 Teilen bei youtube zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=hIYIQQTEjZo&feature=related
Note: 1
"Schlaflose Tage"
(1978)
Jurek Becker
 
"Schlußball"
(1958)
Gerd Gaiser
Das Geschehen trägt sich im Jahre 1957 zu, das ist ein Jahr vor dem Erscheinen des Romans. Da die im Mittelpunkt stehenden Ereignisse sich um den Schlussball ein Jahr nach der Währungsreform abgespielt haben, muss der Schlussball 1950 stattgefunden haben. Die Erinnerungen der beteiligten Personen gehen jedoch noch teilweise bis in die Kriegsjahre zurück, so dass die erzählte Zeit des Romans knapp 20 Jahre umfasst.
Aus der Sicht von elf Romanfiguren werden Vorfälle erzählt, die sich anlässlich eines Abschlussballs einer Schulklasse in Neu-Spuhl (Neu-Spuhl ist Reutlingen, der Ort, in dem Gaiser Professor an der PH war) zugetragen haben. Der Ball liegt einige Jahre zurück, so dass die damals Beteiligten inzwischen in ganz anderen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen leben. Da zu Beginn des Romans einige Erzähler als „Stimmen“ aufgeführt werden, entsteht der Eindruck, als hätte jemand die Beteiligten befragt, um nachträglich Licht in die tragischen und ungeklärten Ereignisse rund um den Schlussball zu bringen. Warum die Personen ihre Version erzählen, bleibt letztlich ungeklärt, da kein „Ermittler“ auftaucht. Weiterhin berichten vier „Stimmen von außen“, Tote, die von den vergangenen Begebenheiten posthum Bericht erstatten.
„Schlussball“ wurde oft mit einem Kriminalroman verglichen, da der Leser am Beginn vor der Frage steht, was auf diesem Schlussball passiert ist, und erst am Ende die Auflösung erfolgt.
Gaiser trat 1933 dem NS-Lehrerbund und 1937 der NSDAP bei, und zwar nicht, weil er sich einen Karrieresprung versprach, sondern weil er von der nationalistischen Politik überzeugt war. Beleg dafür ist der einzige Gedichtband, den Gaiser veröffentlichte: "Reiter am Himmel" (1941). Hier kann man expressive Verse lesen, die dem Führer Gefolgschaft und Wehrbereitschaft gegen den Feind aus dem Osten signalisieren. Aber nicht nur deshalb kann man sich dem Urteil des Literaturkritikers Günter Blöcker „Dieses Buch ist voller Reichtum und voller Geheimnis in all seiner knappen Strenge. Gaiser hat alles zu dem großen deutschen Erzähler unserer Tage." nur bedingt anschließen. Die Komposition des Romans wirkt sehr bemüht, im besten Fall eigenwillig, und hechelt den amerikanischen Vorbildern Dos Passos und James Joyce hinterher.
Note: 3- (Brü)
"...schon bist du ein Verfassungsfeind. Das unerwartete Anschwellen der Personalakte des Lehrers Kleff"
(1975)
Peter Schneider
Eigene Erfahrungen bewogen den Schriftsteller Peter Schneider (geb. 1940), sich einem brisanten Thema zuzuwenden: dem Radikalenerlass der Minsterpräsidenten, kurz auch Berufsverbot genannt. Die Geschichte setzt sich aus mehreren authentischen Fällen zusammen. Der Lehrer Kleff will nach Studium und Referendarzeit in Freiburg (auch Schneiders Heimatstadt!) Fuß fassen und wird "wegen begründeter Zweifel an seiner Verfassungstreue" aus dem Schuldienst entlassen. In Form von Briefen an seinen Anwalt betreibt Kleff die Erforschung des eigenen Gewissens und schildert die zunehmende Entfremdung von seiner Freundin, die Träume von einem freien Leben, die erzwungene Arbeitslosigkeit. Er schreibt sich gewissermaßen seine "Personalakte selber". Das Buch ist politisch, dennoch zugleich humorvoll und unterhaltsam. Wie wenig alte Bücher oft noch wert sind, sieht man im Internetbuchhandel: Bei Amazon gibt es 46 Exemplare des Buches von Schneider für Preise zwischen 0,01 und 1,99 Euro! Ein Grund hierfür ist sicher, dass das Thema nicht mehr aktuell erscheint.
Note 2+
"Schule"
(2000)
Marco Petry (Regie)
Der Film zeigt episodisch die Erlebnisse einiger Kleinstadtabiturienten in dem fiktiven Ort Kerkweiler. Hauptfiguren sind die Schüler André, Markus und Dirk. Bis zum Abitur sind es noch drei Wochen: Zum Abschluss der Schulzeit will man noch einmal „auf den Putz hauen“, bevor der so genannte „Ernst des Lebens“ beginnt. Dazu soll eine Party am See gefeiert werden, inklusive Alkohol- und Marihuanagenuss. Einen Tag und eine Nacht lang verfolgt der Zuschauer die turbulenten Erlebnisse der Protagonisten. Es geht um die üblichen Themen: Verliebtheit, Betrügen, Verlassenwerden, Prüfungsangst (der Klassenstreber soll beim Spicken helfen), erster Sex. Am Ende gibt es eine theatralische Durchsage von Markus (Daniel Brühl) über das Mikrofon des Schuldirektors, dass er seine Sandra (Jasmin Schwiers) noch immer liebt. Aussöhnung, Happy End, Vogelperspektive der Kamera. Lehrer kommen übrigens nur als Psychopathen vor, einer schreit minutenlang die Klasse an, seine Tirade gipfelt in dem Ausruf: "Ich hab die Schnauze voll!" Der damals 25-jährige Regisseur Marco Petry nannte George Lucas’ berühmtes Jugendporträt "American Graffiti" als Vorbild für sein Kinodebüt, sicher etwas zu hoch gegriffen. Silke Schütze kritisierte in „cinema“: „Für eine Komödie ist "Schule" zu wenig witzig, für ein Drama zu belanglos. Trotzdem ist der Film sympathisch. Das liegt an den guten Darstellern“. Naja. Den Hauptpersonen geht es im Wesentlichen nur um Saufen, Kiffen und "Knallen". Entsprechend wimmelt es in den Dialogen von Vulgarismen: "korrekte Schlampe", "Wichser", "saugeil" und "f... dich." Man darf bezweifeln, ob dieser Jargon für die heutigen Abiturklassen typisch ist. Auf demselben Niveau spielt sich auch der Humor des Films ab: einen Furz im Klassenraum und das Urinieren an eine Telefonzelle findet der Regisseur offenbar witzig. Erstaunlich, dass er bei den Hofer Filmtagen 2000 als bester Nachwuchsregisseur ausgezeichnet wurde.
Der gesamte Film ist in neun Teilen auf „YouTube“ zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=Hew8CckdKJM#
Note: 4-
"Schule. Ein fröhliches Wörterbuch für Schüler zwischen 6 und 18 Jahren und gestreßte Lehrer jeden Alters, für allzu ehrgeizige Väter und meist nachsichtige Mütter"
(1986)
Günter Stein
 
"Schule ist, wenn man trotzdem lacht"
(2011)
Renate Alf
Renate Alf, geb. 1956, ist ausgebildete Lehrerin für Biologie und Französisch, hat aber lieber Karikaturen gezeichnet. In diesem Büchlein legt sie ca. 60 davon vor, zum Thema "Schule". Die Bilder sind einfach, fast kindhaft gezeichnet, Personen haben Riesennasen und große Knopfaugen, aber man muss auf jeder Seite lachen oder zumindest schmunzeln. Beispiel: Unter der Überschrift "Mädchengerecht" sagt eine Lehrerin zu ihren mürrisch schauenden Schülerinnen: "Ich will die Aufgabe mal umformulieren..." Auf Bild 2 sagt sie - und die Mädchen melden sich begeistert: "Ein Pflegepferd kostet im Monat..."
Note: 1
"Schulgeschichten. Für die Sekundarstufe herausgegeben von Klaus-Dieter Metz"
(1979)
Das blaue Reclam-Heftchen aus der Reihe "Arbeitstexte für den Unterricht" enthält acht Geschichten und Romanauszüge bekannter Autoren wie Thomas Mann, Brecht, Hesse, Kästner, Grass, Reding.
Note: 1
"Setzt euch! Schulgeschichten"
(1951)
Günter Wandel
 
"Sozusagen Dienst am Geist"
(1955)
Siegfried Lenz
 
"Spieltrieb"
(2004)
Juli Zeh
 
"Strafmündig"
(1984)
Gert Heidenreich
Der 17-jährige Schüler Ted Merschroth hat seinen Vater erstochen. In Rückblenden wird in diesem Theaterstück (1990 am Ratsgymnasium aufgeführt) die Vorgeschichte aufgerollt, um die Motive für die Tat zu erkennen. Im Gespräch mit einem Psychologen und einem Polizeiinspektor meint Ted: "Unser Land ist ein einziges großes abgefucktes Automatenrestaurant." Auch mit seinen Lehrern hat Ted Probleme. Ein kritischer, unverstandener, psychisch gestörter Jugendlicher, der an der Realität scheitert.
Note: 1
"Stressfaktor Schule. Aufklärende Einblicke in den Lehreralltag"
(2010)
Birgit Salutzki, Petra Linzner, Marlies Tophinke
Bildung und Schule gehören zu den Themen, die in aller Munde sind. Lehrer haben hierzulande nach wie vor keinen guten Ruf in der Bevölkerung, trotz der Aufopferung für ihren Beruf. In diesem Buch kommen sie zu Wort, in Briefen und Interviews, die die drei Gladbecker Autorinnen über einen Blog als Community-Plattform gesammelt haben. Die Lehrerinnen und Lehrer berichten aus dem Schulalltag, von mobbenden Schülern, von schlechten Arbeitsbedingungen, von überzogenen Ansprüchen der Eltern, von angeblich unfehlbaren Schulleitern, von Bulimie und Burn-out, von Gewalt gegen Lehrer ("fliegende Untertasse"), von Komasaufen und Qualitätsanalyse. Vieles ist erschreckend, aber es gibt auch positive Berichte: "Dennoch bietet die Schule", so ein Realschullehrer, "ein angenehmes Arbeitsumfeld." Es werden auch Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt. Die Flamme auf dem Titelbild steht für die Schwierigkeiten des Berufs, aber auch für die Leidenschaft, mit der viele engagierte Pädagogen ihre Schüler durch das Leben begleiten.
Note: 2
"Stundenplan"
(1975)
Christine Nöstlinger
 
"Survival in der Schule. Tricks für Lehrer und was Schüler daraus lernen können"
(1988)
Wolfgang Brenneisen
 
"Tag und Nacht und auch im Sommer"
(2006)
Frank McCourt
Nach den Weltbestsellern “Die Asche meiner Mutter” und “Ein rundum tolles Land” schrieb Frank McCourt - im Alter von 75 Jahren! - seine Erinnerungen an seine Jahre als Lehrer auf. Es sind 30 Jahre an der McKee Vocational and Technical High School im New Yorker Stadtteil Staten Island, beginnend 1958. Wieder einmal zeigt sich, dass das Leben immer noch die besten und amüsantesten Geschichten schreibt. In der Schule tat McCourt das, was er immer noch am besten kann: „Anstatt zu unterrichten, hab ich Geschichten erzählt“. „Ich war mehr als ein Lehrer“, schreibt McCourt. „Und weniger. Im High-School-Klassenzimmer ist man Feldwebel, Rabbi, Schulter zum Ausweinen, Zuchtmeister, Sänger, Stubengelehrter, Büroangestellter, Schiedsrichter, Clown, Berater, Beauftragter für die Kleiderordnung, Schaffner, Fürsprecher, Philosoph, Kollaborateur, Stepptänzer, Politiker, Therapeut, Narr, Verkehrspolizist, Priester, Mutter-Vater-Bruder-Schwester-Onkel-Tante, Kritiker, Psychologe, Rettungsanker.“ An seinem ersten Tag als Lehrer gewinnt McCourt das Herz der Schüler mit einer unerwarteten Reaktion: Ein Pausenbrot fliegt durch den Klassenraum. Anstatt zu schimpfen, verzehrt es der Lehrer genüsslich. Später lässt er im Unterricht echte “Entschuldigungen” vorlesen. Und dann einen Aufsatz schreiben mit dem Thema: “Eine Entschuldigung von Adam (oder Eva) an Gott”. So vertieft in ihre Aufgabe waren die Schüler vorher noch nie.
Entwaffnend ehrlich und voller Selbstironie erzählt McCourt seine Erlebnisse an dieser multikulturellen Brennpunktschule, wo es ihm offenbar gelungen ist, auch sogenannte “Problemkinder” für das Lernen zu begeistern und auf das “Leben nach der Schule” vorzubereiten. Und er schildert auch, was er von seinen insgesamt 12000 Schülern gelernt hat. Ein hinreißendes Buch.
Note: 1
"Teach me"
(2006)
Russell A. Nelson
 
"Tod eines Lehrers"
(2004)
Andreas Franz
Als Oberstudienrat Schirner ermordet und grausam verstümmelt aufgefunden wird, reagiert seine Umgebung zunächst fassungslos: Der Lehrer war überall beliebt und führte eine glückliche Ehe. Hauptkommissar Brandt entdeckt bei seinen Recherchen, dass an der Schule Dinge vorgingen, die nicht an die Öffentlichkeit dringen sollten. Ein spannender Krimi.
Note: 2
"Unter der Schulbank geschrieben"
(1970)
Alexander Spoerl (Hrsg.)
 
"Unterm Rad"
(1905)
Hermann Hesse
„Dieser Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern, Vormünder und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen am zweckmäßigsten zugrunde richtet“. So begrüßte ein Kritiker die Erstausgabe dieses Romans.
Er erzählt die Geschichte des Jungen Hans Giebenrath, der dem Druck von Schule, Theologie und Tradition nicht gewachsen ist und so „unter die Räder“ kommt. Er darf nach einer Prüfung das evangelisch-theologische Seminar in Maulbronn besuchen. Der ehrgeizige, spießbürgerliche Vater zwingt ihn, auch in den Ferien zu lernen. Hans’ ständige Kopfschmerzen sind Signale seiner Beklemmung und Einsamkeit. Weil Hans dem Druck nicht gewachsen ist, flieht er aus Maulbronn und wird zur Strafe von der Schule verwiesen. Auch eine Schlosserlehre verbessert seinen psychischen Zustand nicht. Eines Morgens findet man ihn tot im Fluss, es kann nicht geklärt werden, ob es sich um Selbstmord oder einen Unfall handelte.
Hesse verarbeitete eigene Erfahrungen und die seines Bruders Hans (!). In seinen „Erinnerungen an Hans“ schrieb Hesse: „Die Lateinschule wurde für Hans mit der Zeit zur Tragödie. Hans ist auch, seit ihm die Schule das Rückgrat gebrochen hat, immer unterm Rad geblieben…“ Neben den „Verwirrungen des Zöglings Törless“ (von Robert Musil) ist „Unterm Rad“ die schärfste Anklage gegen das Erziehungsideal der damaligen Zeit. Das wird im Inhalt klar, aber auch in den ironischen Bemerkungen des auktorialen Erzählers, z.B. „Und wie ein Urwald gelichtet und gewaltsam eingeschränkt werden muß, so muß die Schule den natürlichen Menschen zerbrechen, besiegen und gewaltsam einschränken…“
Note: 1
"Viel Spaß als LehrerIn"
(2002)
Erich Rauschenbach
 
"Voll stressig, Frau Freitag! Neues aus dem Schulalltag"
(2012)
Frau Freitag
 
"Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden"
(1985)
Georg Heinzen/Uwe Koch
 
"Von Schülern, Eltern und anderen Besserwissern: Aberwitz im Schulalltag"
(2010)
Gabriele Frydrych
 
"Wer abschreibt, kriegt 'ne 5! Ein Schmunzelbuch zum Schummeln in der Schule"
(1967)
Hermann Schiefer
 
"Wo waren wir stehengeblieben...? Schulgeschichten"
(1969)
Martin Gregor-Dellin (Hrsg.)
 
"Zur Hölle mit den Paukern"
(1963)
Alexander Wolf